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Theologie als Wissenschaft

Eine Fundamentaltheologie aus phänomenologischer Leitperspektive

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Lukas Ohly

Ob Theologie eine Wissenschaft genannt werden kann, wird verschärft durch das Aufkommen neuer theologischer Studiengänge als auch durch Sparmaßnahmen an theologischen Fakultäten in Frage gestellt. Darauf reagieren die theologischen Disziplinen mit einer Suchbewegung, die ihren theologischen Charakter zunehmend außer Acht lässt oder methodisch ungesichert herstellt.

Der vorliegende Ansatz beschreibt die Verifikation theologischer Aussagen als das Aufdecken eines Nicht-Selbstverständlichen im Selbstverständlichen: Wahrheit wird erkannt, indem sie widerfährt. Da Menschen von Gott sprechen, wenn sie den Widerfahrenscharakter von Ereignissen thematisieren, wird ein Bezug zwischen Gottesoffenbarung und Verifikation wissenschaftstheoretisch rekonstruiert.

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6 Das Verhältnis der Theologie zur Religion

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Die letzten Passagen des vorigen Kapitels haben die Frage bereits gestreift, die nun ausgeführt werden sollen: Dort habe ich die Frage verhandelt, inwieweit etwa die Religionsphilosophie, -soziologie und -wissenschaft als theologische Disziplinen gelten können. Die Frage setzt bereits voraus, dass die Theologie irgendetwas mit Religion zu tun hat und dass sich ihr Gegenstand auf religiöse Weise zum Ausdruck bringt. Das ist aber nicht selbstverständlich – zumal seit gewichtigen Einsprüchen aus dem 20. Jahrhundert. Karl Barth hatte Religion als Unglaube gebrandmarkt und ihr die Gottesoffenbarung gegenübergestellt.708 Vermutlich inspiriert von Barth hat Dietrich Bonhoeffer die Aufgabe formuliert, die christliche Botschaft nicht-religiös zu interpretieren.709 Bei Barth waren vor allem theologische Gründe dafür ausschlaggebend, die Lebensäußerungen des christlichen Glaubens nicht Religion zu nennen. Dagegen hat Bonhoeffer sowohl theologische als auch soziologische Erwägungen in seine Aufgabenbestimmung einbezogen.

Bei dieser Fundamentalkritik gegen Religion ist es in der Theologie nicht geblieben. Vielmehr hat man sich mit Rückgriff auf die Religionsphilosophie des 19. Jahrhunderts inzwischen wieder einem religionstheoretischen Paradigma zugewandt.710 Mir scheint, dass hierfür vor allem religionssoziologische Gründe ausschlaggebend gewesen sind. Was unter dem Stichwort „Wiederkehr der Religion“ sicher überpointiert worden ist711, verweist dennoch nach Hans Joas darauf, dass die ältere Säkularisierungsthese sich nicht einfach halten lässt, wonach westliche Gesellschaften zunehmend nicht-religiös werden würden. Vielmehr sei Säkularisierung ein Sonderfall, der sich zudem nur auf Europa beziehe.712 Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen scheinen zudem zu bestätigen, dass zwischen christlichem...

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