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Theologie als Wissenschaft

Eine Fundamentaltheologie aus phänomenologischer Leitperspektive

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Lukas Ohly

Ob Theologie eine Wissenschaft genannt werden kann, wird verschärft durch das Aufkommen neuer theologischer Studiengänge als auch durch Sparmaßnahmen an theologischen Fakultäten in Frage gestellt. Darauf reagieren die theologischen Disziplinen mit einer Suchbewegung, die ihren theologischen Charakter zunehmend außer Acht lässt oder methodisch ungesichert herstellt.

Der vorliegende Ansatz beschreibt die Verifikation theologischer Aussagen als das Aufdecken eines Nicht-Selbstverständlichen im Selbstverständlichen: Wahrheit wird erkannt, indem sie widerfährt. Da Menschen von Gott sprechen, wenn sie den Widerfahrenscharakter von Ereignissen thematisieren, wird ein Bezug zwischen Gottesoffenbarung und Verifikation wissenschaftstheoretisch rekonstruiert.

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7 Auf dem Weg zu einer wahrheitslosen Gesellschaft?

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Die vorliegende Fundamentaltheologie hat aus phänomenologischer Leitperspektive versucht, Theologie als Wissenschaft zu bestimmen. Dabei wurde mit Alfred Tarski unterstellt, dass Wahrheit die Zwischeninstanz zwischen einer Aussage und einem Sachverhalt ist.810 Sie befindet sich also in gewisser Weise „jenseits“ der Welt als auch „jenseits“ der Sprache. Darin mag eine Affinität zwischen Wahrheit und Gott liegen, die manche atheistischen Philosophen wie etwa Richard Rorty dazu veranlassen, aus Gründen der Religionskritik auch Wahrheit als innersprachliches Phänomen zu verstehen, nämlich als intersubjektive Konstruktion, wonach „das Streben nach Wahrheit und Wissen nicht mehr und nicht weniger ist als das Streben nach intersubjektiver Übereinstimmung.“811 „Denn Wahrheit und Wissen gehören in die Domäne sozialer Kooperation, und die Wissenschaft gibt uns die Mittel an die Hand, bessere kooperative soziale Projekte durchzuführen als in der Vergangenheit.“812 Darum habe sich die Religion – offenbar ist Theologie gemeint – aus dem öffentlichen und intellektuellen Diskurs herauszuhalten.813

Der Grund für diesen Einwand lässt sich schnell paraphrasieren: Wenn Wahrheit nur unter sprechenden Wesen auftritt, dann befindet sie sich nicht „jenseits“ der Sprache. Die metaphysische Frage nach der Wahrheit – nämlich wie die Sprache mit der Wirklichkeit verbunden ist –, sei dann eine „schlechte Frage“, von der sich die Philosophie allmählich verabschiede.814

Das in diesem Buch vorgestellte Wahrheitsverständnis hat nun auch konstruktivistische Anteile, die sich in intersubjektiver Kommunikation ergeben.815 Allerdings ist für das vorliegende Wahrheitsverständnis der Gedanke leitend, dass sprachliche Kommunikation Wahrheit auftauchen lässt,...

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