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Friede und Recht

Studien zur Genese des frühmittelalterlichen Herrscher- und Tugendideals in der lateinischen Literatur der römischen Antike und des frühen Mittelalters

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Thorsten Thielen

Friede und Recht – mit keinem anderen Begriffspaar lassen sich Rechtfertigung und Anspruch mittelalterlicher Herrschaft besser beschreiben. In frühmittelalterlichen Volksrechten (leges), Urkunden, Fürstenspiegeln oder der Landfriedensbewegung dient es regelmäßig als Legitimationsgrundlage und Tugendnachweis. Der Autor widmet sich den römischen und christlichen Wurzeln dieser mittelalterlichen Legitimationsstrategie. Er stellt die Entwürfe der antiken und frühmittelalterlichen Literatur vom ersten vorchristlichen Jahrhundert bis zum siebten Jahrhundert dar. Neben der Rechtfertigung der Alleinherrschaft durch römisch-heidnische Autoren steht vor allem der Einfluss des Christentums im Mittelpunkt, der zuletzt in die römisch-christliche Herrschaftsideologie des Mittelalters einmündet.

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F. Orthodoxer Glaube und kaiserliche Gewalt – Christliche Tugendlehre bis Augustinus

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F.  Orthodoxer Glaube und kaiserliche Gewalt – Christliche Tugendlehre bis Augustinus

I.  Einleitung

Mit dem Tod Konstantins am 22. Mai des Jahres 337 ging die Herrschaft auf seine Söhne Constantin II., Constantius II. und Constans über, die im September 337 durch die Heere zu Augusti ausgerufen wurden.1 Constantin II., ältester Sohn Konstantins, der im Rahmen der Erbauseinandersetzung des Jahres 338 den größten Teil des Westens mit Ausnahme Italiens, des Illyricums und Teilen Afrikas erhalten hatte, fand bereits im Jahr 340 in der Auseinandersetzung mit dem jüngsten Konstantinsohn Constans den Tod. Dieser beherrschte danach den lateinischen Westen des Reiches bis zum Jahr 350 unumschränkt. Constantius II. blieb Alleinherrscher im Ostteil des Reiches.

Abgesehen von der „Vita Constantini“ des Eusebius, die noch auf den Zeitraum nach dem Tod des Kaisers eingeht, finden sich in der Literatur des lateinischen Westens kaum Äußerungen zum Herrscherideal der Zeit. In der Überlieferung der „Panegyrici Latini“ klafft zwischen dem Panegyrikus des Nazarius auf Konstantin (321) und der Panegyrik des Claudius Mamertinus auf Julian (362) eine Lücke von mehr als vierzig Jahren. Zugleich wird im griechischen Osten die Gattung der Panegyrik unter den Rhetoren Themistios und Libanios zu ihrer Höhe geführt.2 Kaum besser steht es mit Blick auf Werke christlicher Kirchenlehrer. Mit Hilarius von Poitiers und Lucifer von Calaris treten sie vor allem im Wege der gegen Constantius II. gerichteten Polemiken erneut in die Auseinandersetzung mit dem römischen Kaisertum ein....

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