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Friede und Recht

Studien zur Genese des frühmittelalterlichen Herrscher- und Tugendideals in der lateinischen Literatur der römischen Antike und des frühen Mittelalters

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Thorsten Thielen

Friede und Recht – mit keinem anderen Begriffspaar lassen sich Rechtfertigung und Anspruch mittelalterlicher Herrschaft besser beschreiben. In frühmittelalterlichen Volksrechten (leges), Urkunden, Fürstenspiegeln oder der Landfriedensbewegung dient es regelmäßig als Legitimationsgrundlage und Tugendnachweis. Der Autor widmet sich den römischen und christlichen Wurzeln dieser mittelalterlichen Legitimationsstrategie. Er stellt die Entwürfe der antiken und frühmittelalterlichen Literatur vom ersten vorchristlichen Jahrhundert bis zum siebten Jahrhundert dar. Neben der Rechtfertigung der Alleinherrschaft durch römisch-heidnische Autoren steht vor allem der Einfluss des Christentums im Mittelpunkt, der zuletzt in die römisch-christliche Herrschaftsideologie des Mittelalters einmündet.

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H. Das römisch-christliche Tugendideal in den germanischen regna

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H.  Das römisch-christliche Tugendideal in den germanischen regna

I.  Einleitung

Die gewaltsame Ermordung des Anthemius durch den magister militum Ricimer im Sommer 472 und dessen krankheitsbedingter Tod nur zwei Monate später beendeten den Traum des Sidonius Apollinaris von einer Restitution des Römischen Reiches im Westen endgültig. Nachdem auch der Nachfolger im kaiserlichen Amt, Olybrius, bereits 472 verstarb, blieb der Kaiserstuhl bis zur Ausrufung des Glycerius durch Gundobad im März 473 vakant. Dem im Gegenzug von dem oströmischen Kaiser zum Kaiser erklärten Julius Nepos beugte sich Glyericus im Jahre 474. Auch Ersterer war aber schon 475 gezwungen, Italien wieder zu verlassen, nachdem sein Heermeister Orestes gegen ihn usurpiert hatte. Der von Orestes zum Kaiser eingesetzte Romulus Augustulus wurde nach dem Tod des Orestes infolge der Rebellion Odoakers im August 476 abgesetzt. Der kaiserliche Ornat wurde dem oströmischen Hof übersandt. Dem selbsternannten rex Italiae Odoaker, der schon Anthemius gedient hatte, gelang die Rückgewinnung Siziliens und Dalmatiens. Ab 489 wurde er jedoch von dem Ostgotenheer Theoderichs, der auch die Unterstützung der erst 488 von Odoaker besiegten Rugier genoss, zum Rückzug nach Ravenna gezwungen. Dort riss Theoderich wenige Tage nach dem Vergleich vom 27. Februar 493 die alleinige Königsherrschaft über Italien an sich, die er bis zu seinem Tod am 30. August 526 bewahrte.

Dieser Zeit der Blüte der ostgotischen Herrschaft ist es zu danken, dass in den Werken des katholischen...

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