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Theologie und Antisemitismus

Das Beispiel Martin Luthers

Andreas Pangritz

Martin Luthers Judenfeindschaft ist berüchtigt. Ihr Zusammenhang mit zentralen Themen seiner Theologie ist jedoch umstritten. Die Antisemitismusforschung wiederum hat sich bisher nur wenig für theologische Wurzeln der Judenfeindschaft interessiert. Die Untersuchung führt beide Perspektiven zusammen:

Luthers Schrift «Von den Juden und ihren Lügen» (1543) wird nicht nur im Blick auf die darin zum Ausdruck kommende Judenfeindschaft analysiert, sondern auch auf ihren theologischen Gehalt hin befragt. Dadurch verschärft sich das Problem: Der Antisemitismus ist im Zentrum der Theologie des Reformators verankert, in der Christologie und in der Rechtfertigungslehre. Diese Erkenntnis führt zu einer Sicht auf Luthers Theologie, in der diese selbst zum Problem wird.

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VIII) Luther-Apologetik – und kein Ende?

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VIII)  Luther-Apologetik – und kein Ende?

Aus Anlass des Lutherjahres 1983 warnte die Berliner Judaistin Marianne Awerbuch: „Ihn [Luther] zu entlasten, bedeutet […] konsequenterweise Entlastung aller fanatischen Ideologen aller Zeiten, die zwecks Erhaltung ihrer Macht und ihrer Institutionen die Menschen ihrer Generation in Gläubige und Ungläubige, in Anhänger und Gegner unterteilen und für letztere die Vernichtung predigen.“1 Etwa zur gleichen Zeit dokumentierte der von Heinz Kremers herausgegebene Band Die Juden und Martin Luther – Martin Luther und die Juden, der aus einer Tagung an der Evangelischen Akademie in Mühlheim/Ruhr aus Anlass von Martin Luthers 500. Geburtstag hervorgegangen war, den seinerzeit avanciertesten Stand des kritischen Bewusstseins im Blick auf Luthers Judenfeindschaft.2

Das damalige Problembewusstsein scheint seither jedoch zumindest teilweise wieder verloren gegangen oder verdrängt worden zu sein. Angesichts der nach wie vor verbreiteten „apologetische[n] Prägung“ auch in neueren Forschungen über Luthers Verhältnis zu den Juden hat Peter von der Osten-Sacken schon vor Jahren fast resignierend gefragt, ob denn die „Apologetik“ kein Ende nehmen wolle.3 Seither scheint sich in der Forschung zwar eine gewisse Trendwende hin zu einer kritischeren Sicht auf Luthers Judenfeindschaft abzuzeichnen, für die das einschlägige Buch Martin Luther und die Juden von Peter von der Osten-Sacken (2002) den Anstoß gegeben hat. Aus jüngerer Zeit wären insbesondere die Arbeiten von René Süss (2006) und Thomas Kaufmann (2011 u. 2014) als Beispiele einer kritischen Sicht auf Luthers Verhältnis zu den...

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