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Der Diskurs über Deklamation und über die Praktiken auditiver Literaturvermittlung

Der Deutschunterricht des höheren Schulwesens in Preußen (1820–1900)

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Hans-Joachim Jakob

Ein Primaner konnte im 19. Jahrhundert am Ende seiner Schullaufbahn Dutzende Gedichte auswendig aufsagen. Die Deklamationskultur des höheren Schulwesens ist seitdem in Vergessenheit geraten. Diese Studie rekonstruiert die intensive Diskussion über das Textsprechen zwischen 1820 und 1900. Sie wertet dazu bislang nur wenig beachtete Quellen aus – Vorschriften, Lehrpläne, Gesetzessammlungen, Lesebücher, Ratgeber, Schulprogramme, pädagogische Zeitschriften und Anthologien. Ein abschließender Blick in fiktionale Zeugnisse von Goethe, Kotzebue, Klingemann, Johanna Schopenhauer, Raabe oder Stinde demonstriert den schmalen Grat zwischen deklamatorischem Triumph und gesellschaftlicher Blamage.

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4. Deklamationen und weitere mündliche Übungen in Vorschriften, Lehrplänen, amtlichen Schriften und verwandtem Schrifttum aus dem 19. Jahrhundert

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Abstract: Learning poems by heart is addressed constantly in German and Austrian school decrees in the whole 19th Century – e. g. in local curricula and school regulations, digests, and proceedings of boards of school directors. In 1903 the second day of art education in Weimar suggests a certain change of paradigm.

a) Vorschriften als Text- und Quellensorte

Die Statuten zum Begriff der Deklamation, zu den deklamatorischen Techniken, zu den geeigneten Unterrichtsmethoden und zu den Deklamationstexten nehmen einen wichtigen Raum im normativen Schrifttum des 19. Jahrhunderts, bevorzugt situiert im Kulturraum Schule, ein. Normierende Textsorten scheinen sich in das Konzept der historischen Diskursanalyse, wie es am Ende des vorangegangenen Theoriekapitels skizziert wurde, nur unzureichend zu fügen.1 Die kontroverse Auseinandersetzung über gesprochene Literatur findet – auf den ersten Blick – doch weit eher in genuin diskursiven Medien und Publikationsformen wie etwa in pädagogischen Zeitschriften oder Schulprogrammabhandlungen statt. In Lehrplänen wird dagegen der gesamte schulische Fächerkanon behandelt, in dem die einschlägigen Angaben zum Deutschunterricht einen Programmpunkt unter vielen darstellen, aus dem die Informationen zur Deklamation wiederum herausgefiltert werden müssen. Für diskursive Erörterungen fehlt in zweiter Linie der Raum, in erster Linie sind sie einer Textsorte ohnehin nicht inhärent, die Vorschriften schriftlich fixiert und in der Regel die Entscheidungsprozesse, die sich bei der Erarbeitung dieser Vorschriften in den zuständigen Gremien abgespielt haben, nicht dokumentiert. ← 97 | 98 →

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