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Deutsche Sprachkomik

Ein Überblick für Übersetzer und Germanisten

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Rainer Kohlmayer

Der Autor stellt den Humor der deutschen Sprache und Kultur auf den Prüfstand. Anhand von Beispieltexten und Interpretationen gibt er Einblicke in die Höhepunkte der Sprachkomik vom Mittelalter bis heute. Neben Klassikern wie Eulenspiegel, Heine, Büchner, Nestroy, Loriot, Gernhardt stehen ungewöhnliche Beispiele wie Wittenwilers Ring oder die ironische NS-Kritik, die Sander in seine Wilde-Übersetzung hineinschmuggelte. Der Autor vergleicht und kritisiert die Komiktheorien Bergsons und Freuds, erläutert die linguistischen Witztheorien und bricht eine Lanze für Zijdervelds These, Komik sei eine Form des gewaltlosen Widerstands. Der Schlussteil bringt vier kommentierte Beispiele für die Übersetzung von sprachspielerischen Texten aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche.

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12. Kapitel. Psychoanalytische Theorie: Sigmund Freud

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Abstract: Freud’s psychoanalytic theory of the joke is at the same time a full-scale explanation of man’s delicate position between nature and culture. Like the metaphorical language of the ‚dream work‘, jokes offer an insight into a person’s subconscious, acting as safety valves for our infantile, sexual and aggressive desires.

Freuds psychoanalytische Witztheorie gehört seit dem Erscheinen des Witz-Buches im Jahr 1905 zum festen Bestandteil jeder Komiktheorie; es ist zum weltweiten Bestseller geworden mit riesigen Auflagen (Freud 1985). Die Theorie ist anschaulich, elegant und auf jeden Menschen und jede Gesellschaft anwendbar, die noch Tabus kennen. Die Textsorte Witz wird auf eine Art erklärt, die den gesamten Menschen und seine Beziehung zur Gesellschaft miterklärt. Es ist eine Theorie mit einem Totalitätsanspruch, wie man ihn nur von Religionen und Ideologien kennt. Das ist gleichzeitig auch der wissenschaftliche Nachteil: vieles beruht auf Thesen, die sich weder beweisen noch widerlegen lassen, die aber in sich kohärent sind. Das Theoriegebäude ist insgesamt bewundernswert und hat seit 1905 eine unwiderstehliche Attraktivität entwickelt, besonders für die Kunst- und Kulturtheorie.

Die Ichauflösung und innere Zerrissenheit des Menschen, die in der großen Literatur mindestens seit Shakespeare aufblitzte, ist von Freud zur klinisch benennbaren und heilbaren Erkrankung geworden. Den alten Konflikt zwischen dem Dionysischen und dem Apollinischen, den von Schopenhauer, Wagner und Nietzsche beschworenen dunklen Antrieb hinter allen menschlichen Aktivitäten hat Freud auf ein verständliches Modell der menschlichen Psyche reduziert.

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