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Deutsche Sprachkomik

Ein Überblick für Übersetzer und Germanisten

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Rainer Kohlmayer

Der Autor stellt den Humor der deutschen Sprache und Kultur auf den Prüfstand. Anhand von Beispieltexten und Interpretationen gibt er Einblicke in die Höhepunkte der Sprachkomik vom Mittelalter bis heute. Neben Klassikern wie Eulenspiegel, Heine, Büchner, Nestroy, Loriot, Gernhardt stehen ungewöhnliche Beispiele wie Wittenwilers Ring oder die ironische NS-Kritik, die Sander in seine Wilde-Übersetzung hineinschmuggelte. Der Autor vergleicht und kritisiert die Komiktheorien Bergsons und Freuds, erläutert die linguistischen Witztheorien und bricht eine Lanze für Zijdervelds These, Komik sei eine Form des gewaltlosen Widerstands. Der Schlussteil bringt vier kommentierte Beispiele für die Übersetzung von sprachspielerischen Texten aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche.

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13. Kapitel. Soziologische Theorie: Anton C. Zijderveld

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Abstract: Zijderveld’s sociological theory of humour corrects a vital weakness in Bergson’s a-political and all too optimistic view of society. For Zijderveld, humour is „something living in something (institutionally) mechanical“, or, in an even more ingenious formula: humour is a form of „non-violent resistance“. It is regrettable that Zijderveld’s brilliant analysis has so far not found the recognition it does deserve.

Bergson und Freud sprachen dem Lachen eine soziale Funktion zu; bei Bergson ist das Verlachen eine soziale Strafe für mangelnde Anpassung an die Gesellschaft; bei Freud ist das Lachen über harmlose oder tendenziöse Witze die kulturell erlaubte Entlastung vom zivilisatorischen Druck. Aber erst Zijderveld schreibt eine rein soziologische Theorie der Komik, d. h. er macht den Versuch, Komik und Lachen ausschließlich als soziales Phänomen zu verstehen. Ich zähle die Hauptgedanken nach Zijderveld (1983) auf.16

1. Zijderveld geht von den Voraussetzungen der Wissenssoziologie aus, die behauptet, dass das, was wir Wirklichkeit nennen, eine soziale Konstruktion ist (Berger / Luckmann 1966). Sprache, gesunder Menschenverstand, emotionales Verhalten, Rollenverhalten, alltägliche Lebenswelt haben für den Menschen immer nur die Bedeutung, die ihnen im Rahmen einer bestimmten Kultur (also: sozial) zugemessen wird. Sie haben Bedeutung, weil sie Institutionen darstellen.

2. Komik besteht nach Zijderveld nun darin, dass mit den sozial institutionalisierten Bedeutungen gespielt wird. Das komische Spiel mit den Bedeutungen, welche unser normales Leben – unsere Sprache, soziale Rolle, unsere Denk- und Verhaltensweise – strukturieren, bringt unsere Wirklichkeit durcheinander. In der Komik...

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