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Abweichungen von der kommunikativen Hauptaufgabe im Polizeinotruf 110

Zu Funktion und Inhalt von Quaestio-Nebenstrukturen

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Nea Auhtola

Die Autorin zeigt anhand des psycholinguistischen «Quaestio»-Begriffs, dass Notrufe auf einer kommunikativen Aufgabe beziehungsweise «Quaestio» beruhen. Wird diese kommunikative Aufgabe zeitweilig unterbrochen, geschieht dies unter der Prämisse, dass die Gesprächsteilnehmer darauf verzichten, unter Zeitdruck das Gespräch möglichst schnell abzuschließen. Das Buch untersucht, welche Funktionen solche Redesequenzen im Notruf übernehmen und welche Sachverhalte außerhalb der «Hauptquaestio» kommuniziert werden. Die Gesprächsteilnehmer nutzen Nebenstrukturen, die die kommunikative Hauptaufgabe nicht direkt beantworten, als ein geeignetes Werkzeug zur Vermittlung zusätzlicher einsatzbezogener Informationen.

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3 Die Quaestio als methodische Grundlage

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3 Die Quaestio als methodische Grundlage

Abstract: The total quaestio of a 110 call consists of two partial quaestiones: The caller provides information about the incident, whereas the call-taker asks questions to ascertain whether the appeal for help requires resolution by the police. Should the participants follow another additional quaestio, it is obvious that this quaestio must be communicatively valuable.

Im Zentrum der Analyse von Notrufen in dieser Arbeit steht der psycholinguistische Begriff Quaestio, und zwar speziell die Leitquaestio, die gewisse Vorgaben für den inhaltlichen und strukturellen Aufbau eines schriftlichen oder mündlichen Textes festlegt. Der Quaestio-Begriff, der in dieser Arbeit verwendet wird, geht auf mehrere Sprachwissenschaftler zurück, die hauptsächlich unter der Leitung von Wolfgang Klein und Christiane von Stutterheim seit Mitte der 1980er Jahre zu psycholinguistischen Fragestellungen des Zweitspracherwerbs und der Textstruktur forschten, wobei unterschiedliche Aspekte der Textstruktur sowie die Konzentration von Texten – vorwiegend mündlicher Narrationen – auf eine vorgegebene kommunikative Aufgabe bzw. Frage von besonderem Interesse sind. In der späteren Entwicklung der Quaestio-Forschung, wie zum Beispiel bei Grommes & Dietrich (2002), Dietrich & Grommes (2003) und Grommes (2005), werden die zuvor erfolgreich an monologischen mündlichen und schriftlichen Materialien erprobten Ansätze auf die dialogische Ebene übertragen.

Da neben der psycholinguistischen, relativ neuen Quaestio-Definition auch weitere Definitionen existieren, soll zunächst eine Abgrenzung zu dem literaturwissenschaftlichen und latinistischen Quaestio-Begriff erfolgen. Darauf wird im Kapitel 3.1 eingegangen. Wie bereits erwähnt, wurde die Quaestio-Theorie zunächst in der Besch...

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