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Diskurslinguistische Perspektiven auf Soziale Repräsentationen

Kognitiv-semantische Untersuchungen von Vorstellungsfeldern zur Straßburger Neustadt

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Johannes Dahm

Im ausgehenden 19. Jahrhundert entstand in Straßburg unter deutscher Verwaltung ein Gründerzeitviertel, das bis heute gut erhalten geblieben ist und im Jahr 2017 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Der Autor untersucht die Wahrnehmung des «deutschen» Viertels durch die ansässige Bevölkerung zu einem Zeitpunkt, an dem das für jahrzehntelang ignorierte Bauensemble im lokalen Diskurs plötzlich wiederentdeckt und neu verhandelt wird. Anhand von erhobenen Korpora (Fragebögen und Interviews) und vor dem Hintergrund der Theorie der sozialen Repräsentationen nutzt die interdisziplinäre Forschungsarbeit das Potenzial eines framebasierten, diskurssemantisch informierten Untersuchungsansatzes für die kognitionslinguistische Erforschung gesellschaftlicher Wissenssysteme. Hierfür greift der Autor auf lexikometrische Verfahren zurück.

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1 Einleitung

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Den Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit bildet eine Forschungsstudie (vgl. Dahm 2012) über die Raum- und Architekturwahrnehmung in der Straßburger Neustadt durch die ansässige Bevölkerung und durch Passanten. Diese Vorstudie gliederte sich in ein interdisziplinäres Forschungsprojekt1 der Universität Straßburg ein, das sich mit der Entstehungsgeschichte und der Rezeption von urbanen Strukturen und Architekturstilen, die zwischen 1850 und 1950 in der Grenzregion des Elsass baulich realisiert wurden, befasste. Die interdisziplinäre Aufarbeitung kulturgeschichtlicher Zusammenhänge – die im Rahmen dieses Projekts sowohl deutsche als auch franzö- sische Forschungsinteressen perspektivierte –, konzentrierte sich neben der Unter- suchung bestimmter Bauensembles, die sich noch heute in der Region des Oberrheins befinden, in einigen Arbeiten speziell auf die Straßburger Neustadt: ein gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der gründerzeitlichen Stadterweiterung der elsässischen Metropole unter deutscher Verwaltung erbautes Quartier, das seit 2010 zunehmend in der lokalen und überregionalen Presse thematisiert wird. Der Grund für das öffentliche und wissenschaftliche Interesse an dem Stadtteil ist darauf zurückzuführen, dass sich die Stadt Straßburg im Jahr 2010 entschie- den hatte, sich bei der UNESCO dafür zu bewerben, dass die Neustadt als Welt- kulturerbe erklärt wird: Das mittelalterliche Stadtzentrum – bereits seit 1988 zum UNESCO- Weltkulturerbe ernannt – soll um Teile des Sektors des (wilhelminischen) Gründezeitviertels, dessen Fläche mehr als doppelt so groß ist wie die der Kern- stadt, erweitert werden. Die Stadt Straßburg legitimierte diesen Entschluss u. a. durch die gute Ablesbarkeit architektonischer (Neo-)Stile,...

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