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Theologie und politische Theorie

Kritische Annäherungen zwischen zeitgenössischen theologischen Strömungen und dem politischen Denken von Jürgen Habermas

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Eneida Jacobsen

Im Dialog mit der Politik- und Gesellschaftstheorie von Jürgen Habermas und gegenwärtigen theologischen Ansätzen, vor allem der Befreiungstheologie und der Öffentlichen Theologie, arbeitet diese Studie das demokratiepolitische Potential einer lebensweltlich verankerten Theologie heraus. Die Autorin zeigt auf, inwiefern die Rezeption alltäglicher Erfahrungen und Symbole sowohl den befreiungstheologischen Diskurs verändert als auch das politische System einer Gesellschaft näher mit den konkreten Lebensbezügen der Menschen vernetzt. Dadurch erweist sich Theologie auf neue Weise als gesellschaftspolitisch relevant. Zugleich sind die alltäglichen Erfahrungen von Menschen in ihrer theologischen Bedeutung zu würdigen. Aus dieser Vermittlung von Gesellschaftsanalyse, Theorie der Lebenswelt und kritischer Rekonstruktion christlicher Praxis erwächst eine neue Gestalt von Befreiungstheologie, die die Bedeutung des Lebensweltlichen für die gesellschaftliche Öffentlichkeit deutlicher zur Geltung bringt.

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Schluss

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Ideen schießen nicht wie Pilze aus dem Boden,584 schreibt Hegel mit Blick auf Sokrates, sie stehen vielmehr in Kontinuität zu ihrer Zeit und zu ihrem Umfeld. Und selbst die Pilze, so wäre anzumerken, sind nicht ohne eine für ihre Entwicklung geeignete Umgebung möglich. Die drei hauptsächlichen Denkrichtungen, die das Terrain für diese Arbeit geliefert haben – die politische Theorie Habermas’, die Theologie der Befreiung und die Öffentliche Theologie –, haben sich im Zeitraum seit den 1960er- und 1970er-Jahren bis heute entwickelt. Im Laufe dieser Zeitspanne wurden wir Zeugen des Aufstiegs und Niedergangs totalitärer Regime, des Widerstands und Protestes kultureller und politischer Bewegungen, des demokratischen Wiederaufbaus in mehreren Ländern inmitten von weiterbestehenden antidemokratischen Tendenzen, der raschen technologischen Entwicklung auf Gebieten wie der Nahrungsmittelproduktion und der Kommunikation, dem das Elend eines großen Teils der Weltbevölkerung gegenübersteht. Dies sind einige der wichtigsten Fragen, die „den Geist unserer Zeit“ prägen und die als solche mehr oder weniger stark die Überlegungen Habermas’ ebenso bestimmen wie die der Befreiungstheologie und der Öffentlichen Theologie ‒ und folglich auch die Überlegungen in dieser Arbeit, die aus der Begegnung von Habermas mit der Theologie erwachsen sind.

Die politische Theorie Habermas’ stellt eine Antwort auf ein Szenario dar, in dem gesellschaftliche Organisationsweisen die Oberhand bekamen, die von technisch-produktiven Dynamiken und einer Verwaltung bestimmt waren, die sich dem Wissen, der Diskussion und der Zustimmung der Öffentlichkeit entzogen. Habermas will das politische Potenzial der alltäglichen kommunikativen...

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