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Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze 1949–1989

Ein biografisches Handbuch

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Edited By Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Dieses Handbuch enthält die Biografien von 327 Todesopfern aus Ost und West, denen das DDR-Grenzregime zum Verhängnis wurde. Bei den Flüchtlingen, die erschossen, durch Minen und Selbstschussanlagen ums Leben kamen oder in Grenzgewässern ertranken, handelte es sich überwiegend um junge Menschen, die sich bewusst für den lebensgefährlichen Weg in die Freiheit und gegen die SED-Diktatur entschieden hatten. Zu ihrem Gedenken soll dieses Handbuch beitragen. Es enthält auch die Lebensgeschichten von Zivilpersonen aus beiden deutschen Staaten, die ohne Fluchtabsichten dem DDR-Grenzregime zum Opfer fielen, und weiterhin die Schicksale von deutschen und sowjetischen Deserteuren, deren Fahnenfluchten an der DDR-Grenze tödlich scheiterten. Zusätzliche biografische Angaben widmen sich Grenzsoldaten, die aus Verzweiflung über die Zwänge des Dienstes in den Grenztruppen Suizid begingen, sowie jenen DDR-Grenzwächtern, die von westlicher Seite, von Fahnenflüchtigen oder von eigenen Kameraden, irrtümlich als Flüchtlinge erschossen wurden.

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Biografien der Todesopfer im innerdeutschen Grenzgebiet 1949–1989

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Karl Sommer

geboren am 25. März 1906 in Steinach

erschossen am 16. Oktober 1949

Ort des Zwischenfalls: Meilschnitz (Bayern)

Karl Gustav Sommer wurde in Steinach, Kreis Sonneberg, in Thüringen geboren. Wie sein Vater erlernte auch er den traditionellen Beruf des Griffelmachers. Heute informiert das Steinacher Schiefermuseum mit einer nachgebauten Griffelmacherhütte über die damals für das Schreiben auf Schiefertafeln unentbehrlichen Griffel. Karl Sommer gehörte der evangelischen Glaubensgemeinschaft an und heiratete im März 1929 seine Frau Frieda. Zuletzt wohnte die Familie mit zwei Kindern im Alter von zwölf und sechzehn Jahren in Haselbach, einer thüringischen Gemeinde im Altenburger Land. Für den 43-Jährigen gehörte es vermutlich zum Alltag, aus der sowjetischen Besatzungszone in die Westzone nach Bayern zu reisen, um dort Glaserzeugnisse gegen stets knappe Lebensmittel zu tauschen.

Am 16. Oktober 1949, nur ein paar Tage nach der DDR-Gründung, fand eine solche Tauschfahrt ein schreckliches Ende. Acht Grenzgänger verabredeten sich für eine Tour am 15. Oktober 1949. Jeder von ihnen trug einen Rucksack, gefüllt mit dem beliebten Thüringer Christbaumschmuck bei sich. Die Gruppe gelangte von Steinach über Mönchröden nach Oeslau. Am Sonntag früh, gegen 2 Uhr, erreichte sie die Grenze östlich der Straße von Meilschnitz nach Effelder. Durch die ihm schon aus Kindertagen vertrauten heimatlichen Gefilde in der Nähe von Steinach überquerte Karl Sommer die innerdeutsche Demarkationslinie von Ost nach...

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