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Homosexualitäten in der Langzeitpflege

Eine Theorie der Anerkennung

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Heiko Gerlach and Markus Schupp

Derzeit werden die Bedürfnisse und Bedarfe sexueller Minderheiten in der Langzeitpflege wenig berücksichtigt. Mit der vorliegenden qualitativen Studie auf der Basis von Interviews mit von professioneller Pflege abhängigen Lesben und Schwulen sowie mit Pflegefachkräften werden erstmals Informationen zur Situation und zu den Wünschen von pflegebedürftigen Lesben und Schwulen gewonnen. Der Studie zufolge verbessern emotionale Aufmerksamkeit, soziale Wertschätzung und rechtliche Gleichstellung das Wohlbefinden und die soziale Integration homosexueller Pflegebedürftiger. Ausbleibende Anerkennung kann dagegen die Identität Homosexueller beschädigen und zu sozialer Isolation führen. Von den Ergebnissen lassen sich neue Standards der Versorgung homosexueller Pflegebedürftiger im Alter ableiten.

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5.3.9 Geschlossener Umgang mit der eigenen Homosexualität im Pflegesetting

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5.3.8.3 Bisherige Umweltreaktionen

Ein Teil jener Pflegebedürftigen, die bisher in den verschiedenen Bereichen ihres Lebens ihre homosexuelle Lebensweise geheim hielten und keine negativen Reaktionen ihres Umfelds daraufhin erfuhren, interpretieren das für sich als Bestätigung der Strategie. Ein Proband führt hierzu seine geschlossene Umgangsweise im Berufsleben beispielhaft an, wo er außer einem Buschfunk nichts Diskriminierendes für sich feststellte: „… und_und mit den Kollegen weiter keine Probleme hatte [I: mhm] so, ich habe mir ja nie was merken lassen irgendwie.“ (M8/45) Ganz anders verhält es sich da für jene Pflegebedürftige, die aufgrund ihrer Homosexualität inzwischen – teils mehrfach – von Diskriminierungen und Stigmatisierungen in unterschiedlichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens betroffen waren. Hier sind es eben die negativen Erfahrungen mit der Umwelt und ein angestrebter weitreichender Schutz und die Sicherheit davor, weshalb sie an ihrer Geheimhaltungsstrategie weiterhin festhalten. Bei einem möglichen Bekanntwerden ihrer Homosexualität erwarten sie entsprechend Ablehnung zu erfahren, wodurch sie ihre Existenz umfänglich bedroht sehen. Folgendes Beispiel zeigt auf, wie die Diskriminierungserfahrungen verschiedene Ängste eines Probanden befeuerten. Aufgrund der für ihn alltagspräsenten staatlichen Strafverfolgung des Paragrafen 175 StGB verinnerlichte der Proband sein Schutzverhalten der Anpassung und sozialen Zurückhaltung als Überlebensstrategie. Bereits als Jugendlicher und später als Erwachsener machte er die Erfahrung, von anderen Personen in Bereichen der existentiellen Abhängigkeit geoutet zu werden, nämlich in der Nachbar_innenschaft, der Familie und an mehreren Arbeitsstellen. Das Fremdouting hatte Konsequenzen einer erhöhten sozialen Kontrolle...

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