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Homosexualitäten in der Langzeitpflege

Eine Theorie der Anerkennung

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Heiko Gerlach and Markus Schupp

Derzeit werden die Bedürfnisse und Bedarfe sexueller Minderheiten in der Langzeitpflege wenig berücksichtigt. Mit der vorliegenden qualitativen Studie auf der Basis von Interviews mit von professioneller Pflege abhängigen Lesben und Schwulen sowie mit Pflegefachkräften werden erstmals Informationen zur Situation und zu den Wünschen von pflegebedürftigen Lesben und Schwulen gewonnen. Der Studie zufolge verbessern emotionale Aufmerksamkeit, soziale Wertschätzung und rechtliche Gleichstellung das Wohlbefinden und die soziale Integration homosexueller Pflegebedürftiger. Ausbleibende Anerkennung kann dagegen die Identität Homosexueller beschädigen und zu sozialer Isolation führen. Von den Ergebnissen lassen sich neue Standards der Versorgung homosexueller Pflegebedürftiger im Alter ableiten.

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6.0 Bewusstheitskontexte der Homosexualitäten im Pflegesetting

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6.0 Bewusstheitskontexte der Homosexualitäten im Pflegesetting

Wie in Kapitel 4.6.4 erläutert und begründet, entschlossen sich die Forschenden in der vorliegenden Forschungsarbeit der oben beschriebenen Theorie der Anerkennung von Homosexualitäten in der Altenpflege das sensibilisierende Konzept der Bewusstheitskontexte zur Seite zu stellen. Bei der Analyse der für diese Forschungsarbeit mit pflegebedürftigen Lesben und Schwulen sowie mit Pflegefachkräften geführten Interviews beobachten die Forschenden eine Parallele zur Theorie des Umgangs mit Homosexuellen (Awareness of Homosexuality) von Ken Plummer (1973). Während Plummer jedoch in seiner Theorie in einer einfachen Konstellation der Interaktion zwischen homo- und heterosexuellen Menschen verbleibt, gehen die hier beobachteten Bewusstheitskontexte darüber hinaus. Wie sich zeigt, wirken die verschiedenen Bewusstheitskontexte dann in besonderer Weise, wenn es zu Interaktionen zwischen homosexuellen Menschen kommt, die in unterschiedlicher Weise mit ihrer sexuellen Identität umgehen, bspw. wenn ein versteckt lebender schwuler Pflegender mit einem offen lebenden schwulen Bewohner interagiert. Mit dieser Beobachtung und ihrer Analyse geht die vorliegende Forschungsarbeit über die Untersuchungsergebnisse von Plummer hinaus und erweitert somit dessen Theorie. Eine zweite Erweiterung der Theorie Plummers liegt in der Beschreibung mehrerer parallel vorhandener Bewusstheitskontexte. Wie in den vorherigen Kapiteln zur Theorie einer Anerkennung von Homosexualitäten in der Altenpflege gezeigt worden ist, können Homosexuelle gegenüber ihrem Umfeld gleichzeitig in unterschiedlicher Weise mit ihrer Homosexualität umgehen, bspw. indem sie sie gegenüber den Mitbewohner_innen in einer Einrichtung verschweigen, während deren Leitung von der Homosexualität weiß, wie es bei...

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