Show Less
Restricted access

Der Erste Weltkrieg in der Literatur

Zwischen Autobiografie und Geschichtsphilosophie

Series:

Edited By Anna Wołkowicz

Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg setzen sich ForscherInnen aus Polen, Österreich und anderen europäischen Ländern mit dessen literarischem Niederschlag auseinander. Der germanistische Blickwinkel wird interdisziplinär erweitert, u.a. durch die Perspektive einer Polonistin und eines Osteuropahistorikers. Die in diesem Buch analysierten Romane, Gedichte, Stücke, aber auch Tagebücher und Theaterrezensionen stammen aus der Zeit zwischen 1914 und 2013. Neben Klassikern wie Arnold Zweig kommen weniger bekannte, vergessene und periphere Autoren zu Worte. Stark präsent ist das Interesse an literarischer Komparatistik, vor allem der deutsch- bzw. österreichisch-polnischen. Darüber hinaus stehen folgende Themenkreise im Fokus dieses Buches: Krieg und Autobiografie, Krieg als Trauma und Erinnerung, Krieg in der Unterhaltungsliteratur sowie geschichtsphilosophische Perspektiven.

Show Summary Details
Restricted access

‚Polenlieder‘ aus der Zeit des Ersten Weltkriegs

Extract

Ewa Wojno-Owczarska

Als ‚Polenlieder‘ bezeichnet man in der Literaturgeschichte primär Gedichte, die als Reaktion auf den missglückten polnischen Novemberaufstand verfasst wurden.1 Außerdem wird der Begriff u. a. in Bezug auf Texte verwendet, die als Antwort auf die polnischen Aufstände von 1846 und 1863 sowie auf die Märzrevolution von 1848 entstanden sind.2 Zu den Autoren dieser Gedichte gehören sowohl namhafte Lyriker wie Adelbert von Chamisso, Georg Herwegh, Justinus Kerner, Nikolaus Lenau, August von Platen, Gustav Schwab oder Ludwig Uhland,3 als auch anonyme bzw. weniger bekannte Schriftsteller, die meistens aus „dem Bürgertum oder dem liberal gesinnten Adel“ stammten (u. a. Harro Harring, Karl Herloßsohn, August Kahlert und Emilie Lehmann).4 Gelegentlich werden dieser Kategorie auch Texte von legitimistischen Dichtern zugerechnet, die die polnischen Insurgenten nicht unterstützten.5

Wissenschaftliche und editorische Erfassung der deutschen Polenlieder begann bereits im 19. Jahrhundert. Als einer der Ersten beschäftigte sich damit der u. a. in Berlin und Breslau lehrende Slawist Wojciech Cybulski (1808–1867).6 Von 1890 bis 1897 veröffentlichte der galizische Publizist Gotthilf Kohn eine Auswahl der Polenlieder in polnischer Übersetzung, die 239 Titel umfasste.7 Ludwik Kurtzmann half ihm bei der Vorbereitung seiner Anthologie und bereitete auch eine eigene Auswahl deutscher Lieder vor, deren Manuskript verschollen ist.8 Die Darstellung des Novemberaufstands in deutschen Polenliedern untersuchten Jan Galicz, Kazimierz Missona und Bruno Timm.9 Nach dem Ausbruch des Großen Krieges erinnerte an die Tradition des Polenlieds der Warschauer Dichter, Publizist und Übersetzer...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.