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Der Erste Weltkrieg in der Literatur

Zwischen Autobiografie und Geschichtsphilosophie

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Edited By Anna Wołkowicz

Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg setzen sich ForscherInnen aus Polen, Österreich und anderen europäischen Ländern mit dessen literarischem Niederschlag auseinander. Der germanistische Blickwinkel wird interdisziplinär erweitert, u.a. durch die Perspektive einer Polonistin und eines Osteuropahistorikers. Die in diesem Buch analysierten Romane, Gedichte, Stücke, aber auch Tagebücher und Theaterrezensionen stammen aus der Zeit zwischen 1914 und 2013. Neben Klassikern wie Arnold Zweig kommen weniger bekannte, vergessene und periphere Autoren zu Worte. Stark präsent ist das Interesse an literarischer Komparatistik, vor allem der deutsch- bzw. österreichisch-polnischen. Darüber hinaus stehen folgende Themenkreise im Fokus dieses Buches: Krieg und Autobiografie, Krieg als Trauma und Erinnerung, Krieg in der Unterhaltungsliteratur sowie geschichtsphilosophische Perspektiven.

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Lion Feuchtwangers ‚dramatischer Roman‘ Thomas Wendt – eine Antwort auf den Ersten Weltkrieg?

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Tadeusz Skwara

Die Nachricht vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges gelangte zu Lion Feuchtwanger in Tunesien, mitten in seinen Flitterwochen. Er wurde als Deutscher von den Franzosen verhaftet; die Flucht aus Tunis gelang ihm dank seiner Frau Marta.1 Versteckt auf der „Cittá di Messina“ erreichte er Italien,2 wo er sich sofort beim deutschen Konsul meldete. Nach der Rückkehr nach München (wo er zeitweise als Held gefeiert wurde),3 begann für ihn die leidvolle Zeit als Rekrut, bis er nach einigen Monaten von Ärzten für ‚kriegsuntauglich‘ erklärt wurde.4 Feuchtwangers Einstellung zum Krieg (er fühlte sich nie von der Kriegspropaganda ←165 | 166→ angezogen)5 zeigt am besten sein 1914 publiziertes, dann in Thomas Wendt aufgenommenes Gedicht Wir warten, in dem er das grauenvolle Dasein der Frontsoldaten thematisiert.6 In dieser Zeit beginnt auch seine ‚richtige‘ Karriere als Schriftsteller,7 wobei sich Marta um den gemeinsamen Haushalt und die Gesundheit ihres ewig kranken Gatten kümmern musste.8 Während des Krieges schrieb er neun Dramen (es handelt sich teils um originelle Arbeiten, teils um Bearbeitungen indischer und antiker Stoffe), von denen einige recht erfolgreich wurden. Auch in diesen Werken brachte er seine politischen Überzeugungen zum Ausdruck, indem er sich für das Verständnis für die Besiegten aussprach (Die Perser von Aischylos9) und für deutsch-französische Aussöhnung warb (Die Kriegsgefangenen10). ←166 | 167→Während des Krieges vertiefte sich auch seine Beziehung zu Schriftstellerfreunden Heinrich Mann und Frank Wedekind.11 Im Versuch einer Selbstbiographie von...

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