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Der Erste Weltkrieg in der Literatur

Zwischen Autobiografie und Geschichtsphilosophie

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Edited By Anna Wołkowicz

Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg setzen sich ForscherInnen aus Polen, Österreich und anderen europäischen Ländern mit dessen literarischem Niederschlag auseinander. Der germanistische Blickwinkel wird interdisziplinär erweitert, u.a. durch die Perspektive einer Polonistin und eines Osteuropahistorikers. Die in diesem Buch analysierten Romane, Gedichte, Stücke, aber auch Tagebücher und Theaterrezensionen stammen aus der Zeit zwischen 1914 und 2013. Neben Klassikern wie Arnold Zweig kommen weniger bekannte, vergessene und periphere Autoren zu Worte. Stark präsent ist das Interesse an literarischer Komparatistik, vor allem der deutsch- bzw. österreichisch-polnischen. Darüber hinaus stehen folgende Themenkreise im Fokus dieses Buches: Krieg und Autobiografie, Krieg als Trauma und Erinnerung, Krieg in der Unterhaltungsliteratur sowie geschichtsphilosophische Perspektiven.

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„Ein paar Jahrhunderte später ging es wesentlich anders zu im Ardennenwald.“ Reflexe des Ersten Weltkriegs in Theaterkritiken Alfred Polgars aus den Zwanzigerjahren

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Sigurd Paul Scheichl

„[…] die hochgradige Verflossenheit unserer Geschichte rührt daher, daß sie vor einer gewissen, Leben und Bewußtsein tief zerklüftenden Wende und Grenze spielt … Sie spielt […] vormals, ehedem, in den alten Tagen, der Welt vor dem großen Kriege, mit dessen Beginn so vieles begann, was zu beginnen wohl kaum schon aufgehört hat.“1 So Thomas Mann 1924 im „Vorsatz“ zum Zauberberg; diese Einsicht in die „Wende und Grenze“, die die Jahre 1914 bis 1918 bedeuten, teilten viele mit Thomas Mann. Unter ihnen Alfred Polgar. Hier geht es um Spuren dieser Einsicht in dessen Theaterkritiken – was er in anderer Kurzprosa über Krieg und Vorkriegszeit schreibt, blenden wir aus.2

Polgar, zwar während des Kriegs im Kriegsarchiv tätig, war gleichwohl ein Gegner des Kriegs,3 der diese Gegnerschaft auch, geschickt verborgen, öffentlich zu artikulieren wusste, etwa in dem subversiven Bericht Theaterabend 19154.

Ein anderes Beispiel für subversives Schreiben in den Kriegsjahren bietet die Besprechung von Georg Terramares offenbar ziemlich misslungenem Prinz-Eugen-Stück Die stille Stunde (1916; am Burgtheater gespielt im April 1918).5 In ihr, einem Verriss,6 sind die Andeutungen auf die Enttäuschungen durch den Kriegsverlauf mehr als deutlich.7 Gleich am Anfang wird die Hauptfigur mit den Worten eingeführt:

Prinz Eugen – eben jener, welcher seine Brücken schlagen ließ, welche Tat im bekannten Volksliede verherrlicht ist, welches Lied in Wien vom 27. Juli 1914 bis zum Tag der allgemeinen Mobilisierung sehr, sehr oft gesungen...

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