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Was bedeutet es, Person zu sein?

Theodor Rütter

Person zu sein: Was bedeutet das für die Ethik der Zukunft und für unsere Moral heute im Umgang mit uns selbst und im mit einander?

Diese Frage wirft sich aus einem aktuellen Problem auf

− Aus der Digitalisierung aller Lebensbereiche und damit zunehmender Depersonalisierung;

− Aus modernen Technologien und damit verbundenen Ideologien, die immer tiefer in unseren Umgang mit einander und mit uns je selbst eindringen;

− Aus philosophischen Konzepten, die an Hirnforschung und Künstlicher Intelligenz orientiert das Personsein manchen menschlichen Wesen aberkennen und manchen Rechenmaschinen zuerkennen.

Das Buch entfaltet die Antwort auf die in seinem Titel aufgeworfene Frage historisch und systematisch: aus praktischer Vernunft, die sich an den Verstand wendet, das heißt, aus der raison du cœur.

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29 Durkheim: Das Heilige der Person ist die Gesellschaft in ihr

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29 Durkheim

Das Heilige der Person ist die Gesellschaft in ihr

David Émile Durkheim (gest. 1917), Professor für Sozialwissenschaft an der Universität von Bordeaux (seit 1896) und an der Sorbonne (seit 1902), hat mit seinem Werk Les règles de la méthode sociologique im Jahr 1895 den Grund zur empirischen Soziologie gelegt, in der soziale Tatsachen – faits sociales – ohne Umweg über die Psychologie als Wirklichkeit eigener Art erforscht werden.

Dieser Forschungsansatz hat unter anderem zu Durkheims erziehungswissenschaftlichen Vorlesungen 1902/1903 an der Sorbonne geführt, veröffentlicht als bald wirkungsreiches Werk unter dem Titel L’Éducation morale. Hierin findet sich der auch für unsere Betrachtung wichtige Begriff der socialisation (und der socialisation méthodique, sagen wir, der Erziehung zur Mitverantwortung der Einzelnen in ihrer Gesellschaft).

Besonders bedeutsam für unsere Betrachtung ist ein anderes seiner Werke. Es steht in einer bemerkenswerten Parallele zu einem ebenso aufklärerischen Werk eines anderen Autors. Im Jahr 1902 hatte William James aus der Sicht der von ihm mitbegründeten empirischen Psychologie das Werk über The Varieties of Religious Experience herausgebracht, über Die Vielfalt religiöser Erfahrung.533 Zehn Jahre später bringt Émile Durkheim aus der Sicht der von ihm mitbegründeteten empirischen Soziologie das Werk über Les formes élémentaires de la vie religieuse heraus, über Die elementaren Formen des religiösen Lebens.534

Dieses grundlegende Werk werden wir nun näher betrachten. Hier finden wir wie nirgendwo zuvor entscheidende Anregungen, menschliche...

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