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Was bedeutet es, Person zu sein?

Theodor Rütter

Person zu sein: Was bedeutet das für die Ethik der Zukunft und für unsere Moral heute im Umgang mit uns selbst und im mit einander?

Diese Frage wirft sich aus einem aktuellen Problem auf

− Aus der Digitalisierung aller Lebensbereiche und damit zunehmender Depersonalisierung;

− Aus modernen Technologien und damit verbundenen Ideologien, die immer tiefer in unseren Umgang mit einander und mit uns je selbst eindringen;

− Aus philosophischen Konzepten, die an Hirnforschung und Künstlicher Intelligenz orientiert das Personsein manchen menschlichen Wesen aberkennen und manchen Rechenmaschinen zuerkennen.

Das Buch entfaltet die Antwort auf die in seinem Titel aufgeworfene Frage historisch und systematisch: aus praktischer Vernunft, die sich an den Verstand wendet, das heißt, aus der raison du cœur.

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47 Kierkegaard: Der Einzelne hat zu wagen, ganz selbst zu werden

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47 Kierkegaard

Der Einzelne hat zu wagen, ganz selbst zu werden

Søren Kierkegaard (gest. 1855) ist in gewisser Hinsicht, die sich fünfhundert Jahre zurückspannt, Meister Eckharts1284 jüngerer Bruder im Geiste. Diese beiden einander so Ungleichen in ihrem geistigen Temperament und doch einander Gleichen in ihrem geistigen Rang denken aus christlichem Glauben jeder auf seine ganz eigene unorthodoxe Art existentiell. Dieses Denken – schon im frühen Christentum, besonders klar in den confessiones des Augustinus – dringt forschend bis zu dem Grund des Seins des Denkenden selbst vor. Der existentiell Denkende findet den unauschöpflichen Grund seines Seins, aus dem er bewegt ist – mit unseren Worten gesprochen – als das ihm schon gegebene und doch immer noch aufgegebene Selbstsein vor, als Möglichkeit seiner selbst, die nur im schwer zu erringenden Über-sich-selbst-hinaus-Sein zur Wirklichkeit gelangen kann.

Ebenso wenig wie Eckhart bedient Kierkegaard sich des Begriffs der Person. Er spricht stattdessen vom menschlichen Selbst, aber so, dass wir darin eben das finden, was wir als personale Existenz bezeichnen, in erfreulicher Konkordanz zum Begriff der existence personnelle von Emmanuel Mounier. Dieser Philosoph des existentiellen Personalismus (gegen den atheistischen Existentialismus seiner Zeit) trägt in den von ihm gezeichneten Haupt-Stamm der neuzeitlichen Existenzphilosophie einen einzigen Namen ein: Kierkegaard. Das haben wir im vorigen Kapitel gesehen.

Dazu noch eine andere Stimme. Romano Guardini gedenkt in einer zu Herzen gehenden Schrift „eines Mannes“, der „tief in der Schwermut gestanden hat“, welche als „innerer Ton … durch seine ganze...

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