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Sprachkontakt - Sprachmischung - Sprachwahl - Sprachwechsel

Eine sprachsoziologische Untersuchung der weißrussisch-russisch gemischten Rede „Trasjanka“ in Weißrussland

Gerd Hentschel, Bernhard Kittel, Diana Lindner, Mark Brüggemann and Jan Patrick Zeller

Die Studie untersucht den Zusammenhang von Sprachverwendung, sozialer Positionierung und kollektiver Identitätsbildung in Weißrussland hinsichtlich des Weißrussischen, Russischen und der weißrussisch-russisch gemischten Rede (Trasjanka). Die soziodemographische und ökonomische Struktur der drei »Kodes« wird mittels Umfrage und Interviews bei drei Generationen erfasst. Die Konstellation ist grundlegend diglossisch: Russisch herrscht im öffentlichen Raum, die Trasjanka viel stärker als bisher angenommen im privaten Bereich (besonders bei der älteren Generation). Weißrussisch ist völlig marginalisiert. Für die spezifisch weißrussisch-kollektive Identität, die durchaus festzustellen ist, spielt keiner der Kodes eine nennenswerte Rolle, bestenfalls das Weißrussische auf symbolisch-musealer Ebene.

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9 Spracheinstellungen und Sprachidentität

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Im Anschluss an die quantitativen Analysen gehen wir zwei ergänzenden Fragen auf der Grundlage von tiefergehenden Interviews nach. Die erste ist die Frage des Zusammenhangs zwischen Sprachverhalten und Sprechereinstellungen, zu der im letzten Abschnitt schon quantitative Betrachtungen angestellt wurden. Es geht also wieder um die Fragen, die schon in den Hypothesen 11 und 12 angeklungen sind. Die zweite Frage ist jene nach der Identität derjenigen, welche die WRGR regelmäßig praktizieren; diese Frage ist in Hypothese 10 angeklungen. In beiden Fällen geht es hier aber nicht um deren Überprüfung, sondern – da das Phänomen auf qualitativem Weg angegangen wird – um präzisierende Trendaussagen. Die in diesem Kapitel präsentierten Ergebnisse beruhen auf einer iterativen Zusammenfassung des Bedeutungsgehalts von Aussagen, die während der offenen, qualitativen Interviews getätigt wurden. Hierzu wurden zunächst inhaltlich relevante Passagen aus den Interviews identifiziert und anschließend nach dem unterstellten gemeinten Sinn kategorisiert, wobei jedes Mal, wenn sich eine Aussage nicht sinnvoll in eine bestehende Kategorie einordnen ließ, eine neue Kategorie ergänzt wurde.

Was das Weißrussische betrifft, so bewerten Respondenten diese Sprache gerne in ästhetischen Begriffen. Die erste Kategorie von Befragten kennzeichnet eine positive Einstellung zum Weißrussischen. Weißrussisch zu mögen, zeige sich – nach Ansicht der Befragten – zum einen darin, dass man diese Sprache gern höre, dass man gern an weißrussische Wörter denke. Gleichzeitig wird aber auch betont, dass man die Sprache nicht sprechen könne. Sicher wurde die Sprache von...

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