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Grenzen des Zumutbaren – Aux frontières du tolérable

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Edited By Lena Seauve and Vanessa de Senarclens

Literarische Texte thematisieren nicht nur Grenzen, sie sind durch immanente Grenzen konstituiert. Die Rede ist von historisch variablen Grenzen des Sag- oder Zeigbaren, die nach moralischen oder ästhetischen Kriterien definiert und wahrgenommen werden. Der Band nähert sich den «Grenzen des Zumutbaren» aus einer zugleich poetologischen und rezeptionsästhetischen Perspektive. «Grenzen des Zumutbaren» werden in literarischen Texten historisch reflektiert, gleichzeitig implizieren und provozieren Grenzen stets auch die Möglichkeit oder den Versuch ihrer Überschreitung. Dieser Sammelband nimmt sowohl durch Grenzen definierte epochale Selbstverständnisse als auch Strategien der Transgression in Erzähltexten und Dramen der französischsprachigen Romania vom 16.-21. Jahrhundert in den Blick.

Les textes littéraires se constituent et organisent leurs effets autour de frontières, tantôt explicites, tantôt implicites. Dans cet ouvrage, il est question de l’acceptable et du tolérable pour le lecteur et le spectateur, ainsi que des déplacements et des modifications de ces conceptions esthétiques et morales au fil des époques et au gré des sensibilités littéraires. Il porte donc sur les «frontières du tolérable» , à la fois comme une catégorie poétologique, ainsi que dans la perspective de la réception des œuvres. Les «frontières du tolérable» mettent en jeu des régimes d’historicité; elles constituent aussi pour les auteurs des seuils à repousser et autour desquels expérimenter.

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Über die Grenzen des Zumutbaren – Sur les frontières du tolérable

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Lena Seauve und Vanessa de Senarclens

Dieser Band versammelt die überarbeiteten Beiträge einer Sektion des Frankoromanistentages, der im Herbst 2016 in Saarbrücken stattfand. Der literatur- und kulturwissenschaftliche Teil des Kongresses widmete sich dem Thema der Grenzen – in erster Linie verstanden als reale geographisch-historische und politische Wirklichkeiten – und deren Präsenz und Thematisierung in der Literatur. Mit der metaphorischen Deutung des Begriffs „Grenzen“ als extern oder intern formierte Normen literarischer Texte suchten wir in unserer Sektion einen anderen Zugang und widmeten uns sowohl Fragen der poetologischen Voraussetzungen literarischer Texte als auch der impliziten oder expliziten Grenzen des inhaltlich Sagbaren, denen sich diese unterordnen, annähern oder die sie überschreiten1. Darüber hinaus involviert unsere Fragestellung die Beschäftigung mit dem Kommunikationsakt, den Literatur voraussetzt, samt seines jeweiligen historischen Kontextes und seiner wirkungsästhetischen Rahmenbedingungen.

In seinem Werk von 1997 L’Œuvre de l’art. La relation esthétique2 betont selbst Gérard Genette, der – wie kaum ein anderer Literaturtheoretiker – mit seiner Erzähltheorie versucht hat, die Literarizität eines Textes anhand interner Parameter zu analysieren, dass der Inhalt eines literarischen Werkes nicht von seinem Verhältnis zum Leser abstrahiert werden kann. Literarische Texte erfordern eine bestimmte Form der Aufmerksamkeit seitens des Lesers, die sich von alltäglich-pragmatischer Kommunikation unterscheidet. Man betrachtet einen Text oder ein Kunstwerk anders als ein Naturereignis, ein Gedicht über den majestätischen Gipfel des Matterhorns anders als das Matterhorn selbst. Literarische Werke fordern eine Herangehensweise, die – bewusst oder unbewusst – von Informationen und...

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