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Sprache(n) für Europa. Mehrsprachigkeit als Chance / Language(s) for Europe. Multilingualism as a Chance

Auswahl an Beiträgen des 52. Linguistischen Kolloquiums in Erlangen (2017) / Selected Papers of the 52nd Linguistics Colloquium in Erlangen (2017)

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Edited By Jürg Strässler

Dieses Buch präsentiert eine Auswahl an Beiträgen des 52. Linguistischen Kolloquiums 2017 in Erlangen. Unter dem Konferenzthema «Sprache(n) für Europa – Mehrsprachigkeit als Chance» behandeln die 25 Beiträge in deutscher und englischer Sprache vor allem Erst- und Zweitspracherwerb, sprachdidaktische Aspekte sowie Mehrsprachigkeit in interkultureller Kommunikation. Darüber hinaus werden neben Experimenteller Linguistik, Corpus Linguistik und Medienlinguistik auch sprachhistorische, sprachpolitische und pragmatische Aspekte beleuchtet.

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Zur typologischen Heterogenität des Deutschen (Heinrich Weber)

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Heinrich Weber

Zur typologischen Heterogenität des Deutschen

1 Einführung und Fragestellung

Schon in der Antike wurde heftig diskutiert, ob Sprachen eher regelmäßig oder eher unregelmäßig sind. Die Analogisten hielten die Grammatik für regelmäßig und entwickelten die grammatischen Systeme, wie wir sie heute noch kennen, z. B. die Flexionsparadigmen. Die Anomalisten verwiesen auf die Inkonsequenzen bei der Erfassung der Realität, wie sie sich z. B. bei der fehlenden Übereinstimmung von grammatischem und natürlichem Geschlecht zeigen. (vgl. z. B. Steinthal 1890/1971, 71–161)

Der von Wilhelm von Humboldt (1767–1835) eingeführte, aber schwer zu fassende Begriff der „inneren Form“ einer Einzelsprache kann als Neuinterpretation des Analogiebegriffs aufgefasst werden. Für Humboldt hat eine Sprache eine „charakteristische Form“, eine besondere „Methode der Sprachbildung“. Sie sei „eine Auffassung der einzelnen […] Sprachelemente in geistiger Einheit“, eine „zusammenfassende Einheit“, die es „in ihrer wahren Eigentümlichkeit und in ihrem realen Zusammenhange zu verstehen“ gelte (Humboldt 1963, 420 und 423, vgl. auch Coseriu 2015, 441–454). Der sich zur Humboldt-Tradition bekennende, aber stärker empirisch arbeitende Allgemeine Sprachwissenschaftler und Sinologe Georg von der Gabelentz (1840–1893), der als einer der Wegbereiter des europäischen Strukturalismus zu sehen ist, stellt den Zusammenhang von „Analogie“ und „innerer Form“ explizit her, wenn er schreibt:

Die richtige Handhabung der Muttersprache geschieht unbedacht, ohne dass der Redende sich von den Sprachgesetzen, die seine Rede bestimmen, Rechenschaft giebt.

[..] Die Sprachgesetze bilden unter...

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