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Repräsentationsweisen des Anthropozän in Literatur und Medien

Representations of the Anthropocene in Literature and Media

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Edited By Gabriele Dürbeck and Jonas Nesselhauf

Das Anthropozän mit der Idee der systemischen Zusammenhänge von Mensch, Technologie und Umwelt ist durch Komplexität und disproportionale Skalierungseffekte von planetarischem und tiefenzeitlichem Ausmaß gekennzeichnet. Der Band geht der Frage nach, mit welchen Rhetoriken und Strategien Literatur und Kunst die Komplexität des Anthropozän auf menschliches Maß beziehen. Vor dem Hintergrund der Environmental Humanities untersuchen die 11 Beiträge das interdependente Beziehungsgeflecht von Mensch und agentieller ‹Natur› wie auch die Interaktion von unterschiedlichen zeitlichen, räumlichen und thematischen Skalen in Komposition, Figurendarstellung und Metaphorik (Raumschiff, Gaia, Weltgärtner) mit Bezug auf lokale Umweltprobleme und globale Zukunftsfragen. Mediale Austragsorte sind Erzählung, Epos, Climate und Science Fiction, Heimatroman, Ecodiegesis, Umweltlyrik, Hörspiel, Fotographie, Film und bildende Kunst.

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Posthumanistische Figurendarstellung und das Anthropozän:: Alfred Döblins Die Ermordung einer Butterblume (1910) und W.G. Sebalds Nach der Natur (1988)

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Sieglinde Grimm

Abstract: Starting from W.G. Sebalds lecture of Döblin’s Die Ermordung einer Butterblume (1910) in his doctoral thesis the essay offers a comparative study of Sebald’s prose poem Nach der Natur (1988). It is shown, that the differences of the characters originate in distinguished concepts of nature and that the dimension of the Anthropocene helps to make these differences visible.

In meinem Beitrag geht es um die Frage, inwiefern sich in zwei ausgewählten kürzeren Texten Alfred Döblins und W.G. Sebalds die Ergebnisse der aktuellen Anthropozän-Forschung für die Lektüre der Figurendarstellung fruchtbar machen lässt. Diese Frage wird im Rahmen einer kulturökologisch ausgerichteten Literaturwissenschaft diskutiert, die in ihren Gegenständen vor allem das Verhältnis von Mensch und Natur untersucht und im Zuge dessen die strikte Trennung von (menschlicher) Kultur und Natur aufheben will.1 Dabei gilt es insbesondere, einen literarischen Anthropozentrismus aufzudecken, der die Herrschaft des Menschen über die Natur zum Ausdruck bringt. Zu diesem Diskurs steht die Rede vom Anthropozän in gewisser Weise in einem Spannungsverhältnis, weil hier generell von der These „Der Mensch formt die Natur“ ausgegangen wird.2

Das Konzept des Anthropozän geht zurück auf den Nobelpreisträger für Chemie, Paul Crutzen,3 und bezeichnet „den dominanten Einfluss des Menschen auf ←107 | 108→die geologischen und physikalischen Systeme im planetaren Maßstab“,4 der sich etwa seit der industriellen Revolution zeigt.5 Darüber hinaus hat die Rede vom Anthropoz...

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