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Textimmanente Wahrnehmung bei Gajto Gazdanov

Sinne und Emotion als motivische und strukturelle Schnittstelle zwischen Subjekt und Weltbild

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Ingeborg Jandl

Sinne und Emotion bilden das Prisma jeder Selbst- und Welterfahrung und prägen die im Individuum verankerte Subjektivität. Der russische Emigrationsschriftsteller Gajto Gazdanov (1903-1971) rückt Wahrnehmungen so stark in den Vordergrund, dass die Handlung oft von einem Übermaß an Deskription in den Hintergrund gedrängt wird. Diese Studie beleuchtet Motive sinnlicher und emotionaler Erfahrung unter Berücksichtigung interdisziplinärer Konzepte aus Psychologie, Psychoanalyse, Philosophie und den Naturwissenschaften und fragt nach der Systematik ihrer motivischen Repräsentation, ihrer Wechselbeziehung sowie eines davon abzuleitenden Weltbilds. Das Forschungsfeld eröffnet Zugang zu Mechanismen der empirischen Realität, was auch für andere Disziplinen neue Perspektiven und Erkenntnisse verspricht.

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V. Sinneswahrnehmungen und Gefühle als Motive

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V.  Sinneswahrnehmungen und Gefühle als Motive

Nothing can cure the soul but the senses, just as nothing can cure the senses but the soul. (Wilde 2011: 35)

Der folgende Abschnitt widmet sich Motiven sinnlicher und emotionaler Erfahrung bei Gazdanov. Unter Berücksichtigung des Textmaterials und der darin vorliegenden Schwerpunkte werden anhand gängiger Typologien aus Psychologie und Philosophie charakteristische Sinneswahrnehmungen und Emotionen ausgewählt, die es im Folgenden genauer zu beleuchten gilt. Anhand zentraler Textstellen werden diese jeweils in Hinblick auf typische situative Konstellationen, Wechselbezüge und autorspezifische Besonderheiten untersucht. Wichtige Komponenten, die allen Motiven eingeschrieben sind, bilden Synästhesie und Autismus als konstante Dispositionen von Gazdanovs Protagonisten. Ausgewählte arbiträre Sinneseindrücke, Emotionen und situative Variablen erscheinen direkt miteinander verbunden, was eine umfassende Verwobenheit der Texte bewirkt, in denen Assoziationen wichtiger sind als Kausalzusammenhänge. In diesem Kontext stellt Autismus eine implizit oder explizit durchgehend präsente Problematik dar, die gewisse Spezifika der Wahrnehmung motiviert. Gleichzeitig kämpfen die Protagonisten gegen die damit verbundene emotionale Komponente aktiv an, wenn sie versuchen, ihre Bindungslosigkeit zu überwinden.

1.  Sinneswahrnehmung

L’étoile a pleuré rose au cœur de tes Oreilles, L’infini roulé blanc de ta nuque à tes reins La mer a perlé rouse à tes mammes vermeilles Et l’Homme saigné noir à ton flanc soucerain. (Rimbaud 2010: 136)

Er war, vergessen wir das nicht, zu allgemeinen, platonischen Ideen so gut wie nicht imstande. […] Er war der einsame...

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