Show Less
Restricted access

Die Reise nach Ost- und Ostmitteleuropa in der Reiseprosa von Wolfgang Büscher und Karl-Markus Gauß

Series:

Anna Pastuszka

Eine extreme Fußreise durch Osteuropa, Forschungsreisen zu den versprengten Minderheiten ˗ in ihrer Reiseprosa erschliessen Büscher und Gauß das durch den Eisernen Vorhang jahrelang abgeschottete östliche Europa. Im Zentrum der Studie steht die Frage nach der Inszenierung der Reise und des durchwanderten fremden Raums im Hinblick auf die imaginären Raumentwürfe von Ost- und Mitteleuropa, auf die westlichen mental maps und die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die Studie beleuchtet narrative Herangehensweisen an den ostmitteleuropäischen Raum und gewährt einen Einblick in die literarische Kartographierung Europas nach der Wende. Im Medium der Reiseliteratur erfolgt bei den Autoren eine subjektive Vermessung der osteuropäischen Fremde sowie ein Remapping der kognitiven Karten Europas.

Show Summary Details
Restricted access

1. Ost- und Mitteleuropa versus Ostmitteleuropa. Die Raumentwürfe

1. Ost- und Mitteleuropa versus Ostmitteleuropa. Die Raumentwürfe

Extract

Auch wenn es sich in der vorliegenden Arbeit primär um den literarisch vermittelten Raum Ost- und Ostmitteleuropas handelt, soll der Bezug zum wirklichen außerliterarischen Raum, wie er notwendigerweise für die Reiseliteratur charakteristisch ist, nicht außer Acht gelassen werden.

Die Geschichte der Begriffe Osteuropa, Mitteleuropa und Ostmitteleuropa hängt nach Jürgen Kocka mit der „Geschichte der Raumentwürfe in den Köpfen der Menschen“ zusammen. Diese Region Europas bietet sich nicht zufällig als ein besonders populäres Untersuchungsgebiet für mental mapping an:

Die Geschichte dieser Begriffe und ihrer Verwendung in Öffentlichkeit und Historiographie, in den Feuilletons und in den Fachzeitschriften ist hervorragend geeignet, um die Entstehung und Wirkung von mental mapping zu untersuchen, zusammen mit den damit verbundenen Hoffnungen und Ängsten, Zugehörigkeitsdefinitionen und Abgrenzungsversuchen.22

Im Kontext der mentalen Vorstellungswelten lässt sich die so unterschiedlich benannte Region als ein Grenzraum charakterisieren, der aus der westeuropäischen Perspektive einen „Raum des Unterschieds“ mit literarisch relevanten Kategorien der Alterität und Zweitklassigkeit darstellt:

Die Region, deren Bezeichnung allein unwiderruflich eine historisch-politisch-ideologische Debatte hervorruft, ist in der Grenzzone angesiedelt (Nicht-Westeuropa; neues Europa, früher sogar Anderes Europa, wie in der Publikationsreihe, deren Schutzherr Philip Roth war), zwischen Original und seiner besseren oder schlechteren, aber immerhin einer Kopie.23

Der politische Umbruch in Ostmitteleuropa nach 1989 wurde zu einem wichtigen Impuls für Reisen, für die Forschung und die Neukartierung des europäischen Raums. Eine Reihe neuer...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.