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Die Reise nach Ost- und Ostmitteleuropa in der Reiseprosa von Wolfgang Büscher und Karl-Markus Gauß

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Anna Pastuszka

Eine extreme Fußreise durch Osteuropa, Forschungsreisen zu den versprengten Minderheiten ˗ in ihrer Reiseprosa erschliessen Büscher und Gauß das durch den Eisernen Vorhang jahrelang abgeschottete östliche Europa. Im Zentrum der Studie steht die Frage nach der Inszenierung der Reise und des durchwanderten fremden Raums im Hinblick auf die imaginären Raumentwürfe von Ost- und Mitteleuropa, auf die westlichen mental maps und die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die Studie beleuchtet narrative Herangehensweisen an den ostmitteleuropäischen Raum und gewährt einen Einblick in die literarische Kartographierung Europas nach der Wende. Im Medium der Reiseliteratur erfolgt bei den Autoren eine subjektive Vermessung der osteuropäischen Fremde sowie ein Remapping der kognitiven Karten Europas.

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5. Ost- und Mitteleuropa in der Essayistik von Karl-Markus Gauß

5. Ost- und Mitteleuropa in der Essayistik von Karl-Markus Gauß

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Der österreichische Schriftsteller Karl-Markus Gauß hat mit seinen Reiseberichten eine autorenspezifische Eigenart der Reiseliteratur gestiftet. Seine Reisen in ‚das andere Europa‘ machen aus ihm einen Forschungsreisenden in aufklärerischer Manier.417 Zu seinem charakteristischen Erzählstil gehören die milde nachdenkliche Attitüde gegenüber den wandelnden Objekten seiner Recherchen und Reisebeschreibungen, die Empathie und unverkennbare leise Ironie, die in gewundenen Sätzen zum Ausdruck kommt. Gauß hat mit Tinte ist bitter. Literarische Porträts aus Barbaropa 1988 beachtenswert als Porträtist der Schriftsteller debütiert und bereits in dieser frühen Essaysammlung Weichen für seine späteren Forschungen gelegt. Das ‚Randständige‘ in aller Form, als geographische Randzone, als verschwindende ethnische Gruppe oder Sprache, als wenig bekannte Schriftsteller, wird zum Objekt seiner Studien und Reisen.

Gauß’ Interesse gilt dem gesamteuropäischen Raum, ohne dass er die exakte Unterteilung in Ost-, Ostmittel- oder Südosteuropa vornimmt. Seiner Reiseliteratur liegt ein gewisser Idealismus zugrunde, der den als peripher geltenden Raum und die vom Zentrum aus als ‚randständig‘ betrachteten Nationen eingehender untersuchen lässt. So werden die „im blinden Winkel“ der westeuropäischen Wahrnehmung418 gelegenen Regionen auf der Europakarte bereist und beschrieben, um ihre Geschichte an den Leser heranzubringen, ihre großen Dichter aus der Vergessenheit zu entreißen und die gestaltenden Faktoren (Natur, Geschichte, Kultur, insbesondere Sprache und Literatur) dazustellen.

Gauß ist auch geschätzter Autor von regelmäßig herausgegebenen Journalen419, die in essayistischer Form Reflexionen über tagespolitische Geschehnisse zu einer Kulturgeschichte und Kulturkritik auszuweiten...

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