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Robert Musil und Amos Gitaï: Die Ethik des Möglichkeitssinns

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Bernadette Appel

Die literaturwissenschaftliche Studie widmet sich den Werken des österreichischen Schriftstellers Robert Musil (1880–1942) und des israelischen Filmemachers Amos Gitaï (*1950). Die Analyse erbringt erstmalig den Nachweis, dass sich Gitaï in seinen Filmen mit dem berühmten Musilschen Möglichkeitsdenken auseinandersetzt. Vor dem aktuellen Hintergrund des Israel-Palästina-Konfliktes wird der Möglichkeitssinn dabei als innovatives und visionäres Modell erkennbar, das sich sowohl in ethischer, in medienphilosophischer und letztlich auch in aktuell-politischer Hinsicht als Transmedium einer beweglichen kritischen Praxis auszeichnet.

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II. Gegenstand – Forschungsperspektiven – Methode

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II.Gegenstand – Forschungsperspektiven – Methode

1 Der Schriftsteller Robert Musil1 und sein Werk

Als der österreichische Schriftsteller Robert Musil (1880–1942) am Ende seines Lebens verarmt, vereinsamt und durch die Widrigkeiten des Genfer Exils gezeichnet starb, hatte er noch am Tage seines Ablebens an seinem Lebenswerk gearbeitet, dem Roman Der Mann ohne Eigenschaften, der trotz jahrzehntelangen intensiven Schreibens unvollendet und der damaligen Literaturwelt weitgehend unbekannt geblieben war. Hier spielten die Machtergreifung der Nationalsozialisten, finanzielle Sorgen und der angegriffene Gesundheitszustand des Autors sicher eine entscheidende Rolle, es wird jedoch zu zeigen sein, dass auch die formale Anlage des Werkes insgesamt sowie die besondere Art des Erzählens ausschlaggebend dafür gewesen sein dürften, dass bereits der „Nachlass zu Lebzeiten“2 ein kaum übersehbares Konvolut an tausenden Manuskriptseiten enthielt, die eine bis heute unerschöpfliche literarische und philosophische „Versuchsstätte“3 darstellen. Robert Musil wurde am 06. November 1880 in Klagenfurt geboren. Er begann zunächst eine Ausbildung zum Berufsoffizier, die er jedoch abbrach, um Ingenieurwesen, Philosophie und Psychologie zu studieren. Sein Tätigkeitsspektrum reicht sodann vom Bibliothekar über einen Redakteur und Zeitungskritiker bis hin zum ministeriellen Beamten, wobei für Musil die schriftstellerische Tätigkeit stets im Vordergrund stand. So wurde sein Erstlingswerk Die Verwirrungen des Zöglings Törleß im Jahre 1906 ein recht großer Erfolg, an den er mit seinen folgenden Werken jedoch nicht anschließen konnte. Dennoch begann er nach dem Ende des Ersten Weltkriegs mit der Arbeit an seinem Hauptwerk Der Mann ohne...

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