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Das Wort-Ton-Verhältnis im Werk von Ludwig van Beethoven

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Małgorzata Grajter

Das Ziel der vorliegenden Studie ist die Untersuchung der Spezifik des Wort-Ton-Verhältnisses in Ludwig van Beethovens Schaffen sowohl auf struktureller als auch auf semantischer Ebene. Da Beethoven selbst nie eine Abhandlung über Komposition schrieb, erscheint es natürlich und naheliegend, als hauptsächlichen Bezugspunkt die musiktheoretischen Schriften aus dem 18. Jahrhundert heranzuziehen, um die musikästhetische Landschaft seiner Epoche zu rekonstruieren. Die durchgeführte Analyse von Beethovens Vokalmusik aus der Sicht der im 18. Jahrhundert üblichen Konzeption eines «Singstücks» beantwortet einige wesentliche Fragen nach den Prioritäten des Komponisten im Bereich der technischen und ästhetischen Aspekte der musikalischen Bearbeitung eines Textes.

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Kapitel 3. Der strukturelle Aspekt von Beethovens Werken der Vokalmusik – Prosodie, Rhythmus, Interpunktion

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Kapitel 3. Der strukturelle Aspekt von Beethovens Werken der Vokalmusik – Prosodie, Rhythmus, Interpunktion

Die prosodische Bearbeitung eines poetischen Werks ist zweifellos eine der technischen Grundlagen der Komposition von Vokalmusik, und das Anpassen der Melodie an die Textstruktur ist für gewöhnlich eine der ersten Etappen ihres Entstehens. Bei Beethoven wurde dieser Prozess besonders in den Liedern sichtbar – hauptsächlich sie werden also der Analyse als Material dienen, an dem einzelne Aspekte und Probleme der Komposition demonstriert werden sollen, die auf der strukturellen Ebene der Wort-Ton-Beziehungen im Werk auftreten. Untersuchungen der Skizzen zu Beethovens Liedern zeigen zum Beispiel, dass der Komponist bei der Vorbereitung der Textbearbeitung oft seine Komposition damit begann, die Musik in den Vokalparts mit Worten zu unterlegen, entsprechend den Prinzipien der musikalischen Deklamation (Beispiel 5a). Erst in einem weiteren Schritt notierte er Ideen zu den veranschaulichenden Mitteln, wodurch er die semantischen Qualitäten des Textes herausarbeitete (Beispiel 5b). Diese Reihenfolge zeigt sich sehr deutlich am Beispiel der anfänglichen Skizzen zu Klärchens Lied Die Trommel gerühret (Fragment aus der Bühnenmusik zu Goethes Egmont) in der Transkription von Gustav Nottebohm363:

Beispiel 5. Skizzen zu Klärchens Lied Die Trommel gerühret aus der Bühnenmusik zu Egmont (nach der Transkription von Gustav Nottebohm: Zweite Beethoveniana, op. cit. S. 556)

a)

b)

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Ein Beweis dafür, dass Beethoven mit großer Sorgfalt an das Problem der musikalischen Deklamation des Textes heranging und...

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