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Genustransfer durch «Thinking for Speaking»

Kognitive Muster und ihre Bedeutung für den DaF-Unterricht

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Katharina Hirt

Wie wirken sich kognitive ‚Thinking for Speaking’ Muster auf das Fremdsprachenlernen aus? Dieser Frage geht die Autorin mithilfe einer empirischen Untersuchung an deutschen Muttersprachlern nach, die Genustransfer anhand der Pronominalisierung und Kategorisierung von belebten, nicht-menschlichen Referenten (Tiernomen) beim Sprechen des Englischen erforscht. Chinesische und englische Muttersprachler dienen als Vergleichsgruppe. Die Ergebnisse zeigen, dass der Genustransfer durch eine unbewusste Fehlinterpretation des Genus zum Sexus ausgelöst wird. Die Existenz solcher kognitiven Muster bedeutet, dass das Erlernen einer neuen Sprache das Erlernen neuer Muster erfordert. Die Autorin folgert, dass die Genusvermittlung einen höheren Stellenwert im DaF-Unterricht erhalten sollte, um die kognitive Umstrukturierung zu fördern.

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0. Einleitung

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The conducted empirical study on grammatical gender transfer provides evidence of ‘Thinking for Speaking’ patterns for German native speakers. Understanding the nature of the influence of language on other cognitive processes enables the development of new teaching methods and allows language teachers to better understand their own and their students’ cognition.

Verfasserin: „There was a seagull at my window and she was looking at me curiously.“

Student: „How do you know it was a she?“

Dieser und ähnliche Dialoge mit englischen Muttersprachlern1 brachten mich dazu, den Einfluss meiner Muttersprache Deutsch auf kognitive Prozesse zu hinterfragen. Das deutsche Genussystem erfordert einerseits zu jedem Nomen die Kenntnis des Genus und andererseits permanent das Herstellen von Kongruenz. Gerade im Bereich Deutsch als Fremdsprache ist bekannt, dass die korrekte Verwendung der deutschen Flexion, und dabei besonders des Genus, Lernenden bis in die hohen Niveaustufen Schwierigkeiten bereitet (vgl; Ahrenholz 2009: 31; Bobb, Kroll & Jackson.2015: 502; Chini 1998: 39; Fabricius-Hansen 2010: 225; Hopp 2016: 278; Marki 2008: 119; Menzel & Tamaoka 1995: 12; Wegera 1997: 9;). In meiner langjährigen Erfahrung als Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache und insbesondere durch meine Lehrtätigkeit in der Volksrepublik China konnte ich beobachten, dass Lernende aus genusindifferenten Sprachen versuchen Genus semantisch zu erfassen, nur um sich dann zu fragen, wieso der Tisch männlicher ist als die Tür. Mit dieser Problematik setzt sich der amerikanische Autor David Sedaris (2000) humorvoll auseinander und berichtet, dass er in seiner Fremdsprache Französisch...

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