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Deliktische Gehilfenhaftung und Haftung wegen Organisationsverschuldens nach russischem und deutschem Recht im Rechtsvergleich

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Natalia Chor

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den aktuellen Aspekten des modernen Zivilrechts – mit der deliktischen Haftung für Gehilfen und Haftung wegen der Verletzung einer Organisationspflicht. Die Arbeit bietet eine umfassende Analyse der entsprechenden gesetzlichen Regelungen sowie der Rechtsprechung im russischen und im deutschen Recht aus rechtsvergleichender Perspektive. Angesichts der breiten Geschäftsbeziehungen zwischen Russland und Deutschland ist die durchgeführte rechtsvergleichende Untersuchung der Fragen der deliktischen Gehilfenhaftung sowie der Haftung wegen Organisationsverschuldens nicht nur wissenschaftlich, sondern auch im Hinblick auf die Praxis von hoher Relevanz.

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KAPITEL 3. RECHTSVERGLEICHENDE AUSWERTUNG DER LÄNDERBERICHTE

KAPITEL 3. RECHTSVERGLEICHENDE AUSWERTUNG DER LÄNDERBERICHTE

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Von zentraler Bedeutung ist es zunächst, allgemeine Fragen des deutschen und russischen Haftungsrechts zu beantworten. Mögliche Ähnlichkeiten und Unterschiede der Regelungen deliktischer Gehilfenhaftung lassen sich lediglich unter Berücksichtigung des allgemeinen Haftungsrechts richtig einschätzen. Einige von ihnen werden dadurch relativiert.

Zwischen dem Schadensersatzrecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches und des russischen Zivilgesetzbuches besteht eine systematische Ähnlichkeit. Beide Zivilkodifikationen behandeln das Schadensersatzrecht an verschiedenen Stellen im Gesetz: zum einen im allgemeinen Teil und zum anderen im besonderen Teil des Schuldrechts.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Rechtsordnungen ist jedoch in der Gesetzgebungstechnik zu sehen. Der deutsche Gesetzgeber hat sich für das System von drei sog. „kleinen“ Generalklauseln1523 und einer Reihe von Spezialdelikten entschieden. Das russische Zivilgesetzbuch geht hingegen von einem konträren Ansatz aus, nämlich dass jeder Schaden grundsätzlich zu ersetzen ist.1524 Nach dem Vorbild des französischen Code Civil enthält Art. 1064 ZGB RF eine Art Generalklausel.1525 Der Verzicht auf eine solche Generalklausel im deutschen Recht wird mit der Möglichkeit der freien Entfaltung der Persönlichkeit und mit dem Wettbewerb erklärt.1526 Die ausgewählte Lösung des Bürgerlichen ←369 | 370→Gesetzbuches wird als ein durchdachtes und überzeugendes Modell charakterisiert, das den Antagonismus von Bestandsschutz und Handlungsfreiheit zu einem ausgewogenen Ausgleich bringe.1527 Zu betonen ist aber zugleich, dass die Ansicht für die Einführung der Generalklausel im deutschen Recht stark vertreten war und nur mit zwei Stimmen bei Beratungen über das Bürgerliche Gesetzbuch abgelehnt wurde.1528 Die...

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