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Wiener Slawistischer Almanach Band 82/2019

Nostalgie. Ein kulturelles und literarisches Sehnsuchtsmodell. Tagung in München April 2017

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Edited By Brigitte Obermayr, Anja Burghardt and Aage A. Hansen-Löve

Der Band enthält 21 Beiträge, die aus der Münchener Tagung zum Thema «Nostalgie. Ein kulturelles Sehnsuchtsmodell» (April 2017) hervorgegangen sind. Allesamt sind sie dem literarischen bzw. kulturellen Phänomen der Nostalgie in den osteuropäischen Literaturen (zumal der russischen, der polnischen und den südslawischen) gewidmet. Es geht um kulturelle Sehnsuchtsorte (vom Dnepr bis nach Odessa, vom alten Ägypten zum mythischen Kitež) bei den Klassikern bis hin zu Vertretern der Moderne und der Gegenwartsliteratur. Ausgangspunkt aller Darstellungen ist die theoretische Vertiefung des Nostalgie-Konzepts in unterschiedlichen kulturellen und literarischen Kontexten. Unter anderen werden folgende Autoren behandelt: Gogol’, Gončarov, Čechov, Bal’mont, Platonov, Ėjchenbaum und Benjamin, Tynjanov, Miłosz, Nabokov und Brodskij, Konopnicka, Ugrešic, Šepitka, Prilepin u.v.a.

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Holt Meyer (Erfurt), Šklovskijs Nachruf auf Tynjanov (und/als Puškin). Vom Frühling 1944 als ,hauntolotische‘ Nostalgie nach der Anti-Nostalgie des russischen Formalismus

ŠKLOVSKIJS NACHRUF AUF TYNJANOV (UND/ALS PUŠKIN). VOM FRÜHLING 1944 ALS ‚HAUNTOLOGISCHE‘ NOSTALGIE NACH DER ANTI-NOSTALGIE DES RUSSISCHEN FORMALISMUS

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Holt Meyer

In diesem Beitrag bespreche ich Viktor Šklovskijs Text mit dem schlichten Titel „Jurij Tynjanov“. In einem ersten Schritt befasse ich mich mit seiner philologischen (spezifischer – seiner bibliographischen und seiner sprachlichen) Beschaffenheit, die für ihr Verbindung mit der raumzeitlichen1 Kategorie der Nostalgie wichtig ist.

Philologisch-textologisch steht der Umstand im Mittelpunkt, dass der Text nach der Ersterscheinung in dem wenig beachteten Sammelband Viktor Šklovskijs mit dem Titel Vstreči (Begegnungen)3 im Jahre 1944 noch einmal in einer gekürzten Version 1964 erschien.

Es geht mir hier insbesondere um die erste Version des Textes. Der Text verbindet drei Ereignisketten: ein Spaziergang von Jurij Tynjanov, Boris Ėjchenbaum und dem Autor Viktor Šklovskij in „Leningrad 1922“, das Sterben und der Tod von Jurij Tynjanov im Herbst und Winter 1943 und die gleichzeitig mit dem Sterben Tynjanovs stattfindende Verdrängung der Wehrmacht aus Weißrussland und Russland, insbesondere aus den Gebieten südlich von Leningrad, wo Puškins Familie ein Landgut besaß und Puškin selbst begraben liegt (es handelt sich um die „Puškin-Hügel“, die den geographischen Mittelpunkt von ←253 | 254→Sergej Dovlatovs Roman Zapovednik4, ins Englische als The Pushkin Hills übersetzt, bilden).5

Berücksichtigt wird auch die stark gekürzte Version, die 1964 in der ersten Ausgabe des Sammelbands Žili byli („Es war einmal“) erschien. Der Text verschwand wieder aus der zweiten Ausgabe von Žili byli 1966, womit sich seine Publikationsgeschichte als Symptom der „Entstalinisierung“ unter Chruščev und der...

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