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Perspektivenvielfalt im Literaturunterricht

Theoretische und qualitativ-empirische Untersuchungen zu einem didaktischen Prinzip

Katja Siepmann

Die Vielfalt der Welt muss im zeitgemäßen Unterricht widergespiegelt und reflektiert werden. Derjenige, der sich auf die Komplexität postmoderner Gesellschaften einlässt, macht Erfahrungen, die produktiv auszuhalten sind. Hier setzt die qualitativ-empirische Studie zu dem allgemeindidaktischen Prinzip der Perspektivenvielfalt an und untersucht sowohl dessen theoretische als auch empirische Relevanz. Die Untersuchung der Bedeutung für die Lehrkräfte und die Umsetzung in der Unterrichtsgestaltung stehen im Mittelpunkt der Arbeit. Der exemplarisch gewählte Literaturunterricht im Fach Deutsch bietet eine geeignete Gelegenheit für den Umgang mit Ambivalenz, Kontingenz und Vielfalt im Kontext eines Bildungsverständnisses, das Perspektivenwechsel, Diskursivität und Identitätsbildung betont.

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I. Theoretische Begründungszusammenhänge

I. Theoretische Begründungszusammenhänge

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In diesem Kapitel wird zunächst das Verständnis eines ‚bildenden Unterrichts‘ dargelegt, welches als begriffliche Grundlage für diese Arbeit fungiert. Im Anschluss daran folgen begriffliche Annäherungen an die Termini ‚didaktische Prinzipien‘ und ‚Perspektive‘, um sodann in einem zweiten Schritt die Tradition einer erziehungswissenschaftlichen Begründung von Mehrperspektivität darzustellen. Anschließend findet eine Analyse der Darstellung des didaktischen Prinzips der Perspektivenvielfalt in allgemeindidaktischen Konzeptionen statt. Auch wird die Rolle von Perspektivenvielfalt in ausgewählten Fachdidaktiken beleuchtet. Als Abschluss dieses Kapitels werden bildungs- und sozialwissenschaftliche Argumentationen bezüglich des Prinzips aufgezeigt.

Im Folgenden wird das Verständnis von Unterricht9 näher bestimmt, welches dieser Arbeit zugrunde liegt. Den Ausgangspunkt dieser Bestimmung bilden folgende Begriffsbestimmungen von Unterricht:

Unterricht als sozialer Prozess wie auch das darin verhandelte Wissen stellt eine Ko-„Produktion“ der beteiligten Personen dar. Lehrerhandeln „verursacht“ daher nicht Schülerlernen, sondern erschafft eine Lernumgebung als Raum von Lerngelegenheiten, die von den Beteiligten gemeinsam geformt und im Sinne eines Angebots je individuell genutzt werden (Klieme 2006, S. 765).

Mit Unterricht sind im Allgemeinen solche Situationen gemeint, in denen professionell tätige Lehrende innerhalb eines bestimmten institutionellen Rahmens mit pädagogischer Absicht und in organisierter Weise [,d.h. methodisch-reflexiv und systematisch] Lernprozesse initiieren, fördern und erleichtern (Reinmann/Mandl 2006, S. 615).

Es stellt sich die Frage nach der Rolle der Lehrkraft in diesen Lernprozessen. Was bedeutet ‚Initiieren‘ in Bezug auf das didaktische Prinzip der Perspektivenvielfalt? Auch ist Unterricht immer in einen bestimmten institutionellen,...

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