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Mehrfachbeschäftigung in Deutschland - Ein Phänomen relativer Armut?

Eine empirische Untersuchung der Determinanten zur Aufnahme einer Zweitbeschäftigung

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Marco Weber

Die seit den Hartz-Reformen gestiegene Zahl Nebenbeschäftigter bei gleichzeitiger Zunahme des Armutsgefährdungsrisikos wecken Zweifel an der bislang gültigen Annahme der Wohlstandssicherung durch eine Erwerbstätigkeit. Der Autor untersucht empirisch mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels die Entwicklung der Mehrfachbeschäftigung und deren Zusammenhang mit atypischer Arbeit. Mittels Längsschnittsanalysen werden die zwischen finanzieller Not und nebenberuflicher Selbstentfaltung verorteten Motive für Mehrfachbeschäftigung analysiert. Dabei zeigt sich, dass Zweitbeschäftigung sowohl die Konsequenz von Einkommensarmut ist, als umgekehrt ein Mittel zur Armutsvermeidung darstellt. Auf Basis dieser Ergebnisse werden Politikempfehlungen zur rechtlichen Ausgestaltung der Mehrfachbeschäftigung formuliert.

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3. Theoretischer und Empirischer Forschungsstand zu den Motiven für Mehrfachbeschäftigung

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Eine der zentralen Fragen bei der Annäherung an die Motive, die zur Aufnahme eines Mehrfachbeschäftigungsverhältnisses führen, ist, warum dem Wunsch nach Mehrarbeit nicht im Hauptarbeitsverhältnis nachgegangen wird. Bei streng ökonomischer Betrachtung erscheint es nicht rational, die mit einem weiteren Arbeitsverhältnis einhergehenden Transaktionskosten in Kauf zu nehmen, etwa in Form von Zeit- und Mobilitätsaufwand durch zusätzliche Arbeitswege. Die ökonomische Literatur bietet hierfür im Wesentlichen zwei getrennte Erklärungsansätze, die sich prinzipiell in Motivationen mit finanziellem und nicht-monetärem Hintergrund einteilen lassen. Die empirische Forschungslage zu diesen stützt sich bisher ausschließlich auf indirekte Kenntnisse anhand stellvertretender Variablen, da keine der großen mikrofundierten Datenerhebungen in Deutschland explizit Variablen zur Motivation des Nebenerwerbs enthalten. Die einzige verwertbare Datengrundlage hierzu ist eine einmalige Sondererhebung aus dem Jahr 1986 zu Haupt-, Nebenerwerbstätigkeit und Eigenarbeit.84 In dieser gab die Mehrheit der Nebenbeschäftigten (46%) den Spaß an der Tätigkeit als Motivation für deren Ausübung an, gefolgt von der Notwendigkeit zur Bestreitung des Lebensunterhalts (33%) und der Möglichkeit Ersparnisse zu bilden (28%).85 Aufgrund der deutlich zurückliegenden Datierung des Datenbestands und der geringen Stichprobe von nur 145 Interviewteilnehmern ist die Repräsentativität und Aktualität dieser Erkenntnisse für den Arbeitsmarkt nach 1990 jedoch als beschränkt einzustufen. Etwas aktuellere Untersuchungen im nordamerikanischen Raum stellen hingegen die Dominanz von finanziellen Motiven fest.86 In einem Sonderfragebogenteils des Current Population Survey (CPS), einer US-amerikanischen Bevölkerungsbefragung, vergleichbar mit...

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