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Mehrfachbeschäftigung in Deutschland - Ein Phänomen relativer Armut?

Eine empirische Untersuchung der Determinanten zur Aufnahme einer Zweitbeschäftigung

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Marco Weber

Die seit den Hartz-Reformen gestiegene Zahl Nebenbeschäftigter bei gleichzeitiger Zunahme des Armutsgefährdungsrisikos wecken Zweifel an der bislang gültigen Annahme der Wohlstandssicherung durch eine Erwerbstätigkeit. Der Autor untersucht empirisch mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels die Entwicklung der Mehrfachbeschäftigung und deren Zusammenhang mit atypischer Arbeit. Mittels Längsschnittsanalysen werden die zwischen finanzieller Not und nebenberuflicher Selbstentfaltung verorteten Motive für Mehrfachbeschäftigung analysiert. Dabei zeigt sich, dass Zweitbeschäftigung sowohl die Konsequenz von Einkommensarmut ist, als umgekehrt ein Mittel zur Armutsvermeidung darstellt. Auf Basis dieser Ergebnisse werden Politikempfehlungen zur rechtlichen Ausgestaltung der Mehrfachbeschäftigung formuliert.

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7. Armutsgefährdung, atypische Beschäftigung und Mehrfachbeschäftigung – Bivariate Untersuchung

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Die in Kapitel 3.3 vorläufig formulierten Arbeitshypothesen haben verdeutlicht, dass der Zusammenhang zwischen Armutsgefährdung und Mehrfachbeschäftigung theoretisch nicht eindeutig zu bestimmten ist. Eine finanzielle Einkommensnot, gemessen in Form der Betroffenheit von Armutsgefährdung, kann dabei sowohl als Auslöser als auch als Resultat von Mehrfachbeschäftigung aufgefasst werden. Für eine erste Annäherung wird die Frage nach der Kausalität zunächst zurückgestellt und stattdessen mittels bivariater Analysen empirisch untersucht, ob ein genereller Zusammenhang zwischen den beiden Arbeitsmarktphänomenen belegt werden kann. Die Analyse des Ursache-Wirkungszusammenhangs erfolgt im anschließenden Kapitel 8 anhand geeigneter multivariater Analyse-Modelle.

Die in Kapitel 2 aufgezeigte Heterogenität des Erwerbstyps Mehrfachbeschäftigung legt darüber hinaus eine differenziertere Betrachtungsweise entlang der tatsächlich ausgeübten Beschäftigungskombinationen nahe, um das mit ihnen einhergehende Armutsgefährdungsrisiko angemessen erfassen zu können. Für diese Differenzierung der Beschäftigungsform wird auf die, in der Arbeitsmarktforschung in der andauernden Diskussion um Einkommensarmut trotz Erwerbstätigkeit vielfach verwendeten, Konstrukte Normalarbeit und atypische Beschäftigung zurückgegriffen. Die bisherigen Befunde bestätigen hierzu den weitgehenden Schutz vor Einkommensarmut durch das Normalarbeitsverhältnis,474 während in zahlreichen Studien ein erhöhtes Armutsrisiko von atypisch Beschäftigten im allgemeinen oder bestimmten Formen atypischer Beschäftigung nachgewiesen wird.475 Die Rolle, die atypische Arbeitsformen im Zusammenhang von Mehrfachbeschäftigung und Einkommensarmut einnehmen, wurde bislang keiner empirischen Untersuchung unterzogen. Im weiteren Verlauf dieses Kapitels wird daher neben der Frage des in Kapitel 2.3.2 vermuteten generell...

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