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Nonstandard im semantischen Raum

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Julia Elisabeth Klein

Sprachwissen, Spracheinstellungen und Sprachvariation sind zentrale Phänomene gesellschaftlicher Konstruktion und Wahrnehmung. Die Studie rekonstruiert diese und untersucht Verwendungen sprachlicher Formen bei Jugendlichen aus der Region Trier empirisch anhand einer dreigliedrigen Leitfrage: Wie wird der Sprachraum von Sprechern mit alltagssprachlichen Termini strukturiert, wie sind davon ausgehende Spracheinstellungen zur Nonstandardverwendung sozial verteilt und wie wird vor diesem Hintergrund Sprachvariation zur Strukturierung von Mikrosituationen verwendet? Die Thematik wird mittels eines Mixed-Methods-Designs und die zentrale Analysekategorie »semantischer Raum« erschlossen.

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Einleitung

Einleitung

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Sprachwissen, Spracheinstellungen und Sprachvariation sind drei zentrale Phänomene, die Sprecher mit der Gesellschaft, in der sie leben, verbinden und durch die zugleich soziale Wirklichkeit im Handeln geschaffen wird. Während Wissensstrukturen, zu denen sowohl latente als auch ouverte Einstellungen zählen, von den umgebenden Gesellschaftsstrukturen in verschiedenen Sozialisierungsphasen an den Sprecher herangetragen und von ihm internalisiert werden, gehört Sprachvariation zu den darauf basierenden flexiblen Handlungsroutinen, die diese gesellschaftlichen Strukturen in der Situation sowohl reproduzieren als auch bearbeiten. Beide Phänomene, Sprachwissen und Sprachvariation, stehen nicht nur im Zentrum dieser Arbeit, sondern gehören seit Mitte des 20. Jahrhunderts auch zu den etablierten Forschungsgegenständen der Linguistik. Dabei haben sich zwei unterschiedliche Zugänge zur Untersuchung von Sprachvariation herausgebildet, die sich nicht nur durch eine generelle Divergenz ihrer Perspektive auf Sprache und Gesellschaft unterscheiden, sondern auch in ihren Untersuchungsmethoden. Ihren jeweiligen Erklärungslogiken folgend wird sprachliche Variation entweder anhand der strukturellen Gegebenheiten des Sprachsystems und ihrer Korrelation mit Sozialmerkmalen erklärt oder anhand handlungsbezogener Kategorien. System- bzw. strukturbezogene Ansätze wählen dabei tendenziell einen normativen Standpunkt zur Erklärung von Sprachvarianz: Sprache und Gesellschaft werden als getrennte Systeme und als objektiv gegebene Strukturen verstanden, die als solche der Praxis vorausgehen und als normativ gelten müssen (vgl. Henn-Memmesheimer 2010: 176).1 Dagegen ←15 | 16→verstehen handlungsbezogene Konzeptionen Sprache und Gesellschaft entlang der wissenssoziologischen Tradition als ein einziges System, in dem soziale Wirklichkeit durch sprachliches Handeln konstituiert wird.

So divergent wie die beschriebenen Forschungsperspektiven sind auch die...

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