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Nonstandard im semantischen Raum

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Julia Elisabeth Klein

Sprachwissen, Spracheinstellungen und Sprachvariation sind zentrale Phänomene gesellschaftlicher Konstruktion und Wahrnehmung. Die Studie rekonstruiert diese und untersucht Verwendungen sprachlicher Formen bei Jugendlichen aus der Region Trier empirisch anhand einer dreigliedrigen Leitfrage: Wie wird der Sprachraum von Sprechern mit alltagssprachlichen Termini strukturiert, wie sind davon ausgehende Spracheinstellungen zur Nonstandardverwendung sozial verteilt und wie wird vor diesem Hintergrund Sprachvariation zur Strukturierung von Mikrosituationen verwendet? Die Thematik wird mittels eines Mixed-Methods-Designs und die zentrale Analysekategorie »semantischer Raum« erschlossen.

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3. Alltagslinguistische Modellierungen sprachbezogener Wissensstrukturen

3. Alltagslinguistische Modellierungen sprachbezogener Wissensstrukturen

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Die Kategorien zu kennen, die Sprecher verwenden, um über sich selbst und andere zu sprechen, ermöglicht nicht nur die „Rekonstruktion des soziosemantischen Systems einer sozialen Gruppe“ (Keim 2008: 218), sondern geht noch weit über solche sozialen Mikrokosmen hinaus, indem sie einen Einblick in die grundlegenden kollektiven Wissensstrukturen der Gesellschaft gestatten. In diesen alltagslinguistischen Kategoriesystemen manifestiert sich das Wissen über lebensstilistische Ordnungen in der Sprache, das permanent präsent gehalten wird. Es ist Teil der Grundlage der Realitätskonstruktion der Sprecher und ermöglicht ihnen Orientierung im sozialen System. In diesem System sprachlicher Bewertungen ist verankert, wer wie spricht und welche Sprechweisen wann, wo und mit wem wählbar, angemessen, rentabel oder stigmatisiert und ablehnenswert sind und ermöglicht jedem Sprecher, sich und andere durch dieses Wissen im System zu verorten.

Der erste Schritt der Analyse ist insofern ein alltagsdialektologischer, indem die geteilten und zugleich subjektiv habitualisierten „Strukturen des Alltagswissens und die Alltagskategorisierung im Mittelpunkt der Betrachtung stehen“ (Anders 2010a: 69). Dazu werden alltagslinguistische Kategorien zum Kommunizieren regionalsprachlicher Phänomene einer systematischen Rekonstruktion unterzogen und die Terminologie zur Beschreibung solcher Kategorien kritisch reflektiert.96

Die alltagssprachlichen Begrifflichkeiten, die Sprecher verwenden, wenn sie über Sprache sprechen, kategorisieren sprachliche und soziale Differenzen und verweisen damit auf die Ordnungsstrukturen soziokultureller Wahrnehmung (vgl. Christen 2010). Die alltagsdialektologischen Kategorien der Sprecher aus den Interviews und dem qualitativen Teil der schriftlichen Befragung werden deshalb zusammengetragen und systematisiert, um die Basiskategorien des Variantenraums und seine sozialsymbolische Strukturierung zu ermitteln.

Die in Tabelle...

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