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Nonstandard im semantischen Raum

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Julia Elisabeth Klein

Sprachwissen, Spracheinstellungen und Sprachvariation sind zentrale Phänomene gesellschaftlicher Konstruktion und Wahrnehmung. Die Studie rekonstruiert diese und untersucht Verwendungen sprachlicher Formen bei Jugendlichen aus der Region Trier empirisch anhand einer dreigliedrigen Leitfrage: Wie wird der Sprachraum von Sprechern mit alltagssprachlichen Termini strukturiert, wie sind davon ausgehende Spracheinstellungen zur Nonstandardverwendung sozial verteilt und wie wird vor diesem Hintergrund Sprachvariation zur Strukturierung von Mikrosituationen verwendet? Die Thematik wird mittels eines Mixed-Methods-Designs und die zentrale Analysekategorie »semantischer Raum« erschlossen.

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5 Strukturierung von Mikrosituationen durch Sprachvarianz

5 Strukturierung von Mikrosituationen durch Sprachvarianz

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Nachdem in den vorherigen Kapiteln Einstellungen zum regionalen Nonstandard und seine Rolle bei der Wirklichkeitskonstruktion der Sprecher untersucht wurden, steht nun die funktionale Verwendung von Nonstandardmustern im Interview im Zentrum der Betrachtung. Im Vordergrund der Analyse steht die aus dem Sprachwissen erwachsende Sprachverwendung und die Funktionalisierung sprachlicher Varianz in Form von Code-Shiftings (Auer 1986, dazu grundlegend: Auer 1992; Gumperz 1982a) zur Strukturierung von Mikrosituationen (vgl. Henn-Memmesheimer et al. 1998; Salewski 1998a). Im Anschluss daran werden die subjektiven Einschätzungen der Sprecher in Bezug auf ihre Sprachverwendung mit den rekonstruierten Strategien innerhalb des Interviews zu einem Sprecherprofil zusammengefügt, das die stilistischen Auswahlen eines Sprechers übersichtlich macht und sie in Zusammenhang mit allgemeinen (lebens-)stilistischen Auswahlen bringen. In einer zweistufigen Analyse werden zuerst Varianzprofile gebildet, die die Standard-Nonstandard-Varianz der Sprecher in den Interviewtexten mit dem von Henn-Memmesheimer/Eggers (2000) vorgeschlagenen Verfahren erfassen und einen Überblick über die unterschiedlichen Sprecher ermöglichen. Davon ausgehend wird Varianz zwischen Standard- und Nonstandardmustern auf ihre Funktion im Gespräch hin interpretiert.155 Im zweiten Schritt wird die Funktionalisierung sprachlicher Varianz wieder auf die einzelnen Sprecher zurückbezogen, indem Sprecherprofile, die rekonstruierte Strategien zur Mikrostrukturierung der Interviewsituation, selbstzugeschriebene Strategien und außersprachliche alltagsästhetische Auswahlen integrieren, erstellt werden.

Um Funktionen von Sprachvarianz bei der Strukturierung von Situationen zu rekonstruieren, bietet sich zunächst eine grobe Einteilung der Sprecher nach dem Auftreten von Standard/Nonstandard-Varianz im Interview an.156 Auf diese ←159 | 160→Weise kann Varianz bei verschiedenen Sprechern rekonstruiert und verglichen werden. Aus dem so entstehenden Überblick werden...

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