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Ingenieure auf der Leinwand

Technische Visionen und Ordnungsvorstellungen im deutschen Zukunftsfilm der 1930er Jahre

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Anke Woschech

Zu Beginn der 1930er Jahre tauchten im bis dato expressionistisch geprägten deutschen Zukunftsfilm vermehrt Ingenieure auf, die als Helden technischer Großprojekte einem vordergründigen Fortschrittsoptimismus frönten. Dabei verwiesen diese Filmfiguren auf Ordnungsvorstellungen, die technokratische bis völkische Lösungen der zeitgenössisch virulenten Frage nach dem Konflikt von Kapital und Arbeit bemühten. In einem technikhistorischen Zugriff auf cineastische vergangene Zukünfte sowie unter Anwendung des Konzepts der hegemonialen Männlichkeit analysiert die Autorin die filmische Inszenierung von Ingenieuren und Technik. Sie zeigt auf, dass sich diese Filme als (Zerr-)Spiegel einer zentralen Konfliktlinie der industriellen Klassengesellschaft der Zwischenkriegszeit verstehen lassen.

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1. Einleitung

1. Einleitung

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„Die SF zelebriert den ‚Mythos der Zukunft‘ und den Ingenieur als Messias; in der Zukunft wird die Menschheit dank dem vernünftigen Einsatz von Wissenschaft und Technik ihre Probleme hinter sich lassen.“1

Im Hinblick auf das von Hollywood-Blockbustern dominierte Science-Fiction-Kino der letzten Jahrzehnte verwundert diese Aussage des Filmwissenschaftlers Simon Spiegel doch ein wenig: In den Universen von Star Wars, Alien, Blade Runner, Terminator, Planet of the Apes bis hin zu Avatar wimmelt es von bedrohlichen Monstern und dämonischen Maschinen, mächtigen und korrupten Großunternehme(r)n, tragisch-heroischen Abenteurern, und auch eine stattliche Vielfalt an mehr oder weniger verrückten Wissenschaftlern, den sprichwörtlichen mad scientists, lässt sich finden2 – jedoch tauchen im seltensten Fall Ingenieure auf, schon gar nicht mit einem heilsgeschichtlichen Auftrag im Gepäck. Zudem bewegen sich die angeführten Akteure und Figuren vorzugsweise in einer Umgebung, in der von einer Läuterung der menschlichen Spezies dank eines segensreichen wissenschaftlich-technischen Fortschritts nichts auszumachen ist. Ganz im Gegenteil werden zumeist die Gefahren einer unkontrollierten und unkontrollierbaren technischen Entwicklung thematisiert und ←13 | 14→somit die mit technischem Fortschritt verknüpften Hoffnungen und Ängste in ihrer vollen Ambivalenz aufgezeigt. Tatsächlich bezieht sich Spiegel mit seiner Aussage eher auf die (gattungsgeschichtliche) Entstehungs- und anschließende Hochphase der Science-Fiction, wie sie in amerikanischen Pulp-Zeitschriften der 1920er bis 1940er Jahre zur Entfaltung kam. Die dort in Unmengen publizierten Kurzgeschichten und Heftromanserien mit ihren futuristischen Schwärmereien und technokratischen Phantasien, in denen – unter zunehmendem Einfluss von Autoren und Herausgebern...

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