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Teilhabe braucht Rehabilitation

Blicke zurück in die Zukunft

Edited By Helga Seel

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR) ist der Zusammenschluss der Rehabilitationsträger. Seit 1969 fördert sie im gegliederten Sozialleistungssystem die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Die BAR koordiniert und unterstützt das Zusammenwirken der Reha-Träger, vermittelt Wissen und arbeitet mit an der Weiterentwicklung von Rehabilitation und Teilhabe. Ihre Mitglieder sind die Träger der Gesetzlichen Renten-, Kranken- und Unfallversicherung, die Bundesagentur für Arbeit, die Bundesländer, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen, die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe, die Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie die Sozialpartner.

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Folgen gesellschaftlicher Entwicklungen für die Bundesagentur für Arbeit (BA) im Bereich der beruflichen Teilhabe

Folgen gesellschaftlicher Entwicklungen für die Bundesagentur für Arbeit (BA) im Bereich der beruflichen Teilhabe

von Eva Strobel, Geschäftsführerin Geldleistungen und Rehabilitation, Zentrale der Bundesagentur für Arbeit

Die BAR kann mit ihren 50 Jahren auf eine bewegte Zeit zurückblicken, in der sich unsere Gesellschaft stark verändert hat. Nicht nur die Digitalisierung und die zunehmende Vernetzung zählen zu diesem Wandel, sondern auch eine stärker werdende Individualisierung. Die Vision einer inklusiven Gesellschaft ist zur Leitidee unseres Zusammenlebens geworden. Dazu hat in erster Linie das große Engagement der Menschen mit Behinderungen und ihr Einsatz für ihre Rechte geführt. Größter Meilenstein war die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention, die vor zehn Jahren auch bei uns in Deutschland in Kraft getreten ist. Dabei wurden Menschen mit Behinderungen in die Umsetzung der Konvention einbezogen. Zentraler Grundsatz der Konvention ist: „Nichts über uns ohne uns“, wodurch ein Paradigmenwechsel eingeleitet wurde.

Das zentrale Motiv dieses völkerrechtlichen Dokuments ist: Behinderungen kommen erst durch die Wechselwirkung von individueller körperlicher, seelischer, geistiger oder Sinnesbeeinträchtigung sowie Barrieren in der Umwelt zustande. Selbstbestimmung statt Fürsorge, Partizipation an Entscheidungen und Barrierefreiheit sind demnach Schlüssel zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft.

Mit dem Bundesteilhabegesetz wurden diese grundsätzlichen Gedanken noch stärker in der deutschen Sozialgesetzgebung verankert. Menschen mit Behinderungen sollen personenzentrierte Leistungen wie aus einer Hand erhalten. Auf dieser Basis hat das Bundesteilhabegesetz auch die Rolle der BAR bekräftigt und spezifiziert. Mit dem Blick nach vorn gilt es für die Träger der Rehabilitation, sich immer wieder auf die zentralen Gedanken der UN-Behindertenrechtskonvention zu besinnen und sie – ergänzend zu den Regelungen der Sozialgesetzgebung – als handlungsleitende Maxime zu sehen.

Dabei ist die Teilhabe am Arbeitsleben ein wesentlicher Bestandteil der Teilhabe an der Gesellschaft insgesamt: Neben der Möglichkeit, selbst Geld zu verdienen, können die vielfältigeren sozialen Kontakte als bereichernd und sinnstiftend erlebt werden. Die berufliche Rehabilitation leistet einen äußerst ←55 | 56→wichtigen Beitrag, damit Menschen mit Behinderungen die Chance haben, gleichberechtigte und gleichwertige Mitarbeitende in Unternehmen zu sein. Gelungene Beispiele zeigen: Menschen mit Behinderungen sind oft besonders motiviert und wollen beweisen, dass ihre Arbeit Wertschätzung verdient.

Leider bestehen teilweise immer noch Vorbehalte gegenüber der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen. Deshalb ist die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention kein Selbstläufer und muss aktiv begleitet werden. So bestehen aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit unter anderem folgende Herausforderungen.

Wie können wir unsere Gesellschaft gestalten, damit körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen nicht zu „Behinderungen“ werden?

Welchen Beitrag kann die BA als Trägerin der beruflichen Rehabilitation dazu leisten?

Wie kann die Expertise von Menschen mit Behinderungen für den Reha-Prozess noch besser genutzt und in Form von Peer-Beratung ausgestaltet werden?

Wie können Bildungsangebote für Menschen mit Behinderungen betriebs- und praxisnah gestaltet werden, um eine möglichst dauerhafte Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu erreichen?

Wie kann das Recht auf Selbstbestimmung und Wahlmöglichkeiten insbesondere durch das Empowerment der Betroffenen verwirklicht werden?

Um sich diesen Herausforderungen von Seiten der Bundesagentur für Arbeit als moderne Dienstleisterin am Arbeitsmarkt als auch als Arbeitgeberin zu stellen, wurde unter anderem eine Koordinierungsstelle Inklusion eingerichtet. Das Thema Inklusion soll rechtskreis- und geschäftsbereichsübergreifend bearbeitet und so in der ganzen Organisation durchgängig verankert werden. Die ersten Erfahrungen zeigen, wie wertvoll ein solcher Blick aufs Ganze ist und dass sich neue Entwicklungen so besser in Gang setzen lassen.

Für die Träger der Rehabilitation kann die BAR einen solchen Blick aufs Ganze fördern, bei den genannten Herausforderungen unterstützen und die Veränderungsprozesse zwischen den Trägern der Rehabilitation koordinieren. Die gesellschaftlichen Entwicklungen in den nächsten 50 Jahren sind natürlich nicht voraussehbar. Künftige Generation werden aber hoffentlich erfreut auf die heutige Zeit zurückblicken und feststellen, dass die Wege für eine wertschätzende, inklusive Gesellschaft bereitet wurden.

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