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Gedächtnisraum Literatur – Gedächtnisraum Sprache: Europäische Dimensionen slavischer Geschichte und Kultur

Festschrift für Svetlana und Gerhard Ressel

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Edited By Alexander Bierich, Thomas Bruns and Henrieke Stahl

Die Festschrift ist Herrn Professor Gerhard Ressel und seiner Ehefrau Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zusammen gewidmet. Ihre menschliche Verbundenheit führte im wissenschaftlichen Bereich von Forschung und Lehre zu einer Vielzahl gemeinsam verfasster und veröffentlichter Beiträge im In- und Ausland und ebenso gemeinsam abgehaltener Lehrveranstaltungen. Sowohl in der Forschung als auch in der Lehre zeigten und zeigen sich dabei die Jubilare als Slavisten im besten Sinne des Wortes, haben sie in ihrer langjährigen Tätigkeit doch nicht nur verschiedene slavische Sprachen abgedeckt, sondern darüber hinaus in gleicher Weise die drei Säulen der Philologie, die Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft.

An der Festschrift hat sich eine große Zahl von Freunden, ehemaligen SchülerInnen, MitarbeiterInnen und KollegInnen mit Beiträgen beteiligt, deren Bandbreite von einzelphilologischen, sprach- wie literaturwissenschaftlichen Aspekten der Slavistik bis hin zu übergreifenden, interdisziplinär ausgerichteten kultur- und geisteswissenschaftlichen Fragestellungen im gesamteuropäischen Kontext bestens geeignet ist, das vielschichtige Schaffen von Prof. em. Dr. Gerhard Ressel und Dr. Svetlana Ressel-Jelisavčić zu reflektieren.

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Abschied von der „russischen Seele“ und ihren Ingenieuren. Neue Russlandbilder und Bilder vom neuen Russland in der deutschen Prosa der Jahre 1995 bis 2013

Abschied von der „russischen Seele“ und ihren Ingenieuren.

Neue Russlandbilder und Bilder vom neuen Russland

in der deutschen Prosa der Jahre 1995 bis 2013

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Rainer Grübel (Oldenburg)

Jede Imago ist ein Wunder an Perfektion, unglaublich schön. Christoph Hein, Willenbrock (70)

Zwar verwendet der Erzähler höchst ungern Klischees, wenn es aber der Wahrheitsfindung dient, müssen sie unbedingt sein. Originalität, Einzigartigkeit – alles schön und gut und sehr zu begrüßen; wo jedoch Muster und Norm herrschen, so wie in diesem Neubauviertel, muß natürlich der Wodka in Strömen fließen, muß die russische Seele feierlich mit ihm ausgehaucht werden. Auch Birken dürfen da nicht fehlen. (296)

Dieser Absatz aus Jens Sparschuhs Roman Die schwarze Dame von (2007, der zur Zeit der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert verortet wird in einem Neubauviertel im Norden Leningrads, liefert mit dem Motiv der „russischen Seele“ nicht nur den Ausgangs-, sondern auch den Abstoßungspunkt der folgenden Analyse, Beschreibung und Interpretation deutscher Prosa der letzten achtzehn Jahre. Nicht selten versehen mit den Prädikaten „weit“ oder „tief“, bildete die „russische Seele“ bis zur Zeit des ersten Weltkriegs ein Stereotyp, oder wie Sparschuhs Erzähler sagt, ein „Klischee“ des deutschen Bildes von Russland.1

Mit solchen reduktiven Vorstellungen vom eigenen und vom fremden Land, von der eigenen und der fremden Bevölkerung befasst sich ein Forschungszweig, der in Soziologie und Geschichtswissenschaft zumeist „Stereotypenforschung“, in der Sprach- und Literaturwissenschaft indes „Imagologie“ genannt wird. Die beiden Bezeichnungen bestehen nebeneinander, weil es Gesellschaftswissenschaftlern und soziologisch arbeitenden Historikern unter den Stichworten von Auto- und Hetero-Stereotyp oft um ein zu...

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