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Epischer Renaut alias heiliger Reinoldus im Lichte einer Radiocarbon-Datierung

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Gustav Adolf Beckmann

Nicht, wie man annahm, aus dem 11. oder frühen 12., sondern laut Radiocarbon-Datierung aus dem 7. oder frühen 8. Jahrhundert stammt die Dortmunder Reliquie des Hl. Reinold, also des epischen Renaut de Montauban. Damit muss die Vor- und Frühgeschichte sowohl des berühmten Epos als auch der parallelen, zwar weniger bekannten, aber ebenfalls faszinierenden Heiligenlegende neu durchdacht werden.

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IV. Das Dossier des heiligen Reinoldus: vor 1300

IV. Das Dossier des heiligen Reinoldus: vor 1300

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Damit also zum ‚epenfreien‘ Dossier des heiligen Reinoldus! Betrachten wir die ältesten Zeugnisse (vor 1300) einzeln, die folgende schriftliche Tradition dann zusammenhängend.

1) Zum Todesdatum – siehe oben.

2) In dem oben erwähnten Dortmunder Kopfreliquiar konnte man durch „ein Fensterlein […] das loch“ sehen, „so ihn [sic] den kopff geschlagen.“24 Akzeptieren wir es als Zeugnis für einen gewaltsamen Tod des Heiligen.

3) Mit großer Wahrscheinlichkeit feierte man im 10. Jh. im Kölner Dom eine Messe zu Ehren Reinolds als Märtyrers. Dieses älteste Zeugnis des heiligen Reinoldus wird oft übersehen, weil sein Entdecker Paul Fiebig es an einer unerwarteten Stelle seines Buches verstaut hat.25 Der Codex 137 der Kölner Dombibliothek, ein Sakramentar (also das Buch, in dem der Zelebrant alle seine Messe- und sonstigen liturgischen Texte fand), dürfte nach inhaltlichen wie nach paläographischen Maßstäben in seinem Hauptbestand (fol. 1v–181r) um 870/875 geschrieben sein, vermutlich schon für die Dombibliothek; denn eine hinzugefügte Litanei (f. 181v–182r) erweist eindeutig, dass der Codex zu einem Zeitpunkt zwischen 891–896 im Kölner Dom (St. Peter) in Gebrauch war.26 Er enthält auf fol. 169r ein Formular für eine missa in ←27 | 28→veneratione unius martiris, also zu Ehren eines beliebigen (nichtbischöflichen) Märtyrers, dessen Namen der Zelebrant dann jeweils nach den Worten martir tuus mündlich einzufügen pflegte. Hier ist in der Oratio (~ Collecta) nach martiris tui (Zeile 2) über der Zeile...

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