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Epischer Renaut alias heiliger Reinoldus im Lichte einer Radiocarbon-Datierung

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Gustav Adolf Beckmann

Nicht, wie man annahm, aus dem 11. oder frühen 12., sondern laut Radiocarbon-Datierung aus dem 7. oder frühen 8. Jahrhundert stammt die Dortmunder Reliquie des Hl. Reinold, also des epischen Renaut de Montauban. Damit muss die Vor- und Frühgeschichte sowohl des berühmten Epos als auch der parallelen, zwar weniger bekannten, aber ebenfalls faszinierenden Heiligenlegende neu durchdacht werden.

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VII. Zusammenfassung

VII. Zusammenfassung

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Der verbreiteten gelehrten Skepsis, die in den Dortmunder Reinold-Reliquien Reste eines Menschen des 11. oder frühen 12. Jh. vermutete, de facto also die Reinold-Legende für eine pia fraus hielt, wurde durch die 1999 erfolgte Altersbestimmung der Hauptreliquie nach der C14- (Radiokarbon-) Methode jäh der Boden entzogen. Der Wahrscheinlichkeitsbereich, der sich aus dieser Messung für die Reliquie ergibt, fällt bei realistischer Bemessung so breit aus, dass er noch die Spanne jenes Todesdatums (a. 720 – etwa 750) einschließt, das die tradionalistische (hier essenziell Longnonsche) Theorie dem Titelhelden des Renaut de Montauban zuschreibt. Das spricht für die Identität des ‚hagiographischen‘ mit dem ‚epischen‘ Reinold (gegen die ohnehin keine belastbaren Argumente zu finden sind) und stärkt zugleich die Longnonsche Theorie in ihrem bisherigen Schwachpunkt, dass nämlich der Protagonist nicht historisch nachzuweisen sei.

Die hagiographische Tradition ist dann vom 10. Jh. an, zunächst schüttern, doch zweifellos kohärent, nachzuweisen, und zwar zunächst in Köln, dann auch in Dortmund; ihre heute vorliegende Redaktion in Gestalt der lat. Prosalegende dürfte im 13. Jh. in Dortmund niedergeschrieben sein.

Diese Redaktion übernimmt zwar einleitend aus der epischen Tradition die Situierung des Helden in eine große Familie im unmittelbaren Umkreis Karls (schon: des Großen), ist im Übrigen aber an seinem weltlichen Leben nicht interessiert, sondern blendet sogleich über zu seiner Ankunft in Köln, dem Ort seines Martyriums.

Von da an verlaufen epische und hagiographische Tradition bis...

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