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Weltanschauung und Textproduktion

Beiträge zu einem Verhältnis in der Moderne

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Edited By Anna S. Brasch and Christian Meierhofer

Weltanschauungen haben zwischen 1850 und 1945 in Deutschland Konjunktur. Als philosophische, wissens- und wissenschaftshistorische Diskursangebote reagieren sie im Prozess der Moderne auf entstehende Synthesemängel, auf Ganzheitsverluste und auf das, was zeitgenössisch schlicht ‚Zersetzung‘ heißt. Vor diesem Hintergrund entsteht ein Korpus an Texten, das sich nicht unter dem Rubrum der ‚Weltanschauungsliteratur‘ allein fassen lässt. Die hier versammelten Studien widmen sich der Heterogenität und Transformation weltanschaulicher Textproduktion. Dabei liegen die Schwerpunkte auf diskurs- und konzeptgeschichtlichen Voraussetzungen, auf Gattungskonventionen und Darstellungsformen, auf buch-, medien- und theatergeschichtlichen Praktiken sowie auf der Reflexivität, Reichweite und Schließung des Diskurses.

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Rhythmus und Weltanschauung um 1900. Am Beispiel von Carl Ludwig Schleichs Essay Der Rhythmus (1908) (Björn Spiekermann)

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Björn Spiekermann

Rhythmus und Weltanschauung um 1900. Am Beispiel von Carl Ludwig Schleichs Essay Der Rhythmus (1908)

Abstract: The essay Der Rhythmus (Rhythm) by the German physician and writer Carl Ludwig Schleich (1859–1922) is analysed and contextualised as a typical example of ‘Weltanschauungsliteratur’ around 1900. In his essay Schleich outlines a holistic world-view with a strong vitalist accent. Rhythm, he claims, can be considered the fundamental energetic principle of the universe. According to Schleich, it encompasses natural and cultural phenomena and, thereby, crosses the contemporary gap between the humanities and natural sciences.

Keywords: rhythm, holism, vitalism, monism, natural philosophy

1 Einleitung

„[W];as ist denn eigentlich nicht rhythmisch?“, fragt 1908 der Mediziner und Kulturphilosoph Carl Ludwig Schleich (1859–1922) in seinem Essay Der Rhythmus, und er gibt sich selbst auch gleich die Antwort: „Es ist nichts ohne Rhythmus!“1 Der anschließende Passus führt auf nachgerade ideale Weise in die hier zu erörternde Fragestellung ein:

In der Tat, das Rhythmische ist wohl der tiefste und grundumfassendste Gedanke, den wir der schöpferischen Natur nachzudenken vermögen; hier beim Rhythmischen, das wir in den Bewegungen der gigantischen Weltkörper nicht weniger am Werke sehen, als in den wirbelnden Atomen der sich zu Kristallen formenden Schneeflöckchen, dürfen wir uns allerdings einem letzten Geheimnis, einem unsern Menschenhirnen beinahe greifbaren Ahnen von einem verständlichen Sein des Weltganzen erschreckend nahe fühlen. (10)

Schleichs...

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