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Weltanschauung und Textproduktion

Beiträge zu einem Verhältnis in der Moderne

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Edited By Anna S. Brasch and Christian Meierhofer

Weltanschauungen haben zwischen 1850 und 1945 in Deutschland Konjunktur. Als philosophische, wissens- und wissenschaftshistorische Diskursangebote reagieren sie im Prozess der Moderne auf entstehende Synthesemängel, auf Ganzheitsverluste und auf das, was zeitgenössisch schlicht ‚Zersetzung‘ heißt. Vor diesem Hintergrund entsteht ein Korpus an Texten, das sich nicht unter dem Rubrum der ‚Weltanschauungsliteratur‘ allein fassen lässt. Die hier versammelten Studien widmen sich der Heterogenität und Transformation weltanschaulicher Textproduktion. Dabei liegen die Schwerpunkte auf diskurs- und konzeptgeschichtlichen Voraussetzungen, auf Gattungskonventionen und Darstellungsformen, auf buch-, medien- und theatergeschichtlichen Praktiken sowie auf der Reflexivität, Reichweite und Schließung des Diskurses.

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Krisen- als Formbewusstsein. Das Programm der ‚Neuklassik‘ oder Die Überführung einer Weltanschauung in Poetik (Loreen Sommer)

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Loreen Sommer

Krisen- als Formbewusstsein. Das Programm der ‚Neuklassik‘ oder Die Überführung einer Weltanschauung in Poetik

Abstract: At the beginning of the 20th century, a group of almost forgotten writers, including the likes of Paul Ernst, Samuel Lublinski and Wilhelm von Scholz, turned to themes and forms of ancient Greek drama in an attempt to restore classicism in the modern age. Even though often perceived as a niche phenomenon in the history of German literature, this so-called neo-classical movement (‘Neuklassik’) immensely contributed to the broad debate on Weltanschauung around the turn of the century by reflecting the costs of modern civilisation and providing a meaningful perspective on life through classical art and culture. The following essay examines theoretical works of neo-classical writing and introduces the poetics of Weltanschauung as an underrated sub-genre of ‘world-view literature’.

Keywords: neo-classicism, modernity/modernism, poetics of Weltanschauung, dramatic theory, Paul Ernst, Samuel Lublinski

1 Einleitung

Trotz grundlegend veränderter gesellschaftlicher Vorzeichen ist es immer noch das Altertum, von dem im Zeitalter der Moderne ein erstaunliches ästhetisches Anregungs- und Wirkungspotential ausgeht.1 Als wichtiger Stichwortgeber ←157 | 158→fungiert Friedrich Nietzsche, der durch seine Neudeutung der griechischen Antike in der Geburt der Tragödie (1872) eine intensive Auseinandersetzung mit den Grundlagen der europäischen Kulturgeschichte motiviert. Das Nachdenken über die Vergangenheit nimmt dabei paradoxe Züge an: So dient die Beschäftigung mit den verschiedenen klassischen Perioden der Literaturgeschichte einerseits der Selbstvergewisserung über die eigene Modernität, geht...

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