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Der christliche Glaube als reflektierte Erfahrung

Eine Studie zur Schleiermacherrezeption Gerhard Ebelings

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Jana Huisgen

Gerhard Ebelings Schleiermacherrezeption steht exemplarisch für die Wiedergewinnung der Erfahrungs- und Wirklichkeitsdimension der evangelischen Theologie nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Studie stellt Ebeling als einflussreichen Vertreter der beginnenden Schleiermacherforschung in den 50er und 60er Jahren vor. Die Religionstheorie und Gotteslehre Schleiermachers werden als Ausdruck einer Theologie des Subjekts begriffen, die das religiöse Selbstbewusstsein und dessen Ausdrucksformen zum Gegenstand hat. Die Autorin zeigt, wie Ebeling diese theologische Grundeinsicht aufnahm, um den Herausforderungen einer modernen Dogmatik gerecht zu werden. Sie weist nach, dass Ebeling der «Glaubenslehre» eine hermeneutisch-theologische Lesart zugrunde legt und präsentiert als Folge die Akzentverschiebung vom religiösen Selbstbewusstsein auf die Sprache als hermeneutische Leitkategorie der Dogmatik Ebelings.

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1. Ebelings Schleiermacherdeutung im Kontext der Schleiermacherrezeption des 20. Jahrhunderts

1. Ebelings Schleiermacherdeutung im Kontext der Schleiermacherrezeption des 20. Jahrhunderts

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Die Wirkungsgeschichte Schleiermachers innerhalb der Theologiegeschichte des 20. Jahrhunderts zeigt, dass die seiner Theologie heute beigemessene Bedeutung für den neuzeitlich-modernen Protestantismus auf einer nicht immer kontinuierlich bestehenden Rezeptionsgeschichte beruht. Einen entscheidenden Einschnitt markierte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die dialektische Theologie. Zuvor jedoch entwickelte sich um die Jahrhundertwende eine so genannte Schleiermacher-Renaissance, die unter anderem durch die Arbeiten von G. Wobbermin, R. Otto und H. Scholz eingeleitet wurde. Dabei handelt es sich um eine parallele Bewegung zu der durch die Ritschl-Schule geprägten empirischen, religionsgeschichtlichen Forschung. Innerhalb dieser Bewegung war mit dem Rekurs auf Schleiermacher der programmatische Anspruch verbunden, eine Theologie religiöser Erfahrung auszubilden, die „Religion im Vollzug der Selbstwahrnehmung konkreter Subjektivität“ zu verorten vermag und zwar so, dass „das Wesen der Religion aus der Struktur dieses Vollzuges selbst abgeleitet werden kann.“22

Nachdem im Anschluss an die Bewegung der dialektischen Theologie der Bruch mit Schleiermacher erfolgte, ist innerhalb des letzten Drittels des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart hinein wieder ein gesteigertes Forschungsinteresse an der Theologie Schleiermachers zu verzeichnen, das auf eine erneute Hinwendung zum Werk Schleiermachers in den 1960er Jahren zurückgeht.

Die institutionelle Grundlage für die nun entstehende Schleiermacherforschung bildete die Edition der Kritischen Gesamtausgabe der Werke Schleiermachers, die Hans-Joachim Birkner auf der Grundlage von Vorarbeiten von Martin Redeker mit den Forschungsstellen in Kiel und Berlin begründete. An ihr war Gerhard Ebeling seit den Anfängen im Jahr 1972 als langjähriger Mitherausgeber im urspr...

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