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Der christliche Glaube als reflektierte Erfahrung

Eine Studie zur Schleiermacherrezeption Gerhard Ebelings

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Jana Huisgen

Gerhard Ebelings Schleiermacherrezeption steht exemplarisch für die Wiedergewinnung der Erfahrungs- und Wirklichkeitsdimension der evangelischen Theologie nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Studie stellt Ebeling als einflussreichen Vertreter der beginnenden Schleiermacherforschung in den 50er und 60er Jahren vor. Die Religionstheorie und Gotteslehre Schleiermachers werden als Ausdruck einer Theologie des Subjekts begriffen, die das religiöse Selbstbewusstsein und dessen Ausdrucksformen zum Gegenstand hat. Die Autorin zeigt, wie Ebeling diese theologische Grundeinsicht aufnahm, um den Herausforderungen einer modernen Dogmatik gerecht zu werden. Sie weist nach, dass Ebeling der «Glaubenslehre» eine hermeneutisch-theologische Lesart zugrunde legt und präsentiert als Folge die Akzentverschiebung vom religiösen Selbstbewusstsein auf die Sprache als hermeneutische Leitkategorie der Dogmatik Ebelings.

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5. Gotteslehre

5. Gotteslehre

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„Theologie ist das wissenschaftliche Zur-Sprache-Kommen des Wortes Gottes.

Kirchliche Lehre ist das bekennende Zur-Sprache-Kommen des Wortes Gottes.

Verkündigung ist das Zu-Worte-Kommen des Wortes Gottes.

Offenbarung ist das Ankommen des Wortes Gottes.

Glauben ist das Zum-Ziel-Kommen des Wortes Gottes.

Wort Gottes ist das Kommen Gottes.“458

Im März des Schleiermacher-Jubiläumsjahres 1968 folgte Ebeling der Einladung, für ein in Nashville von der Vanderbilt Divinity School zusammen mit dem amerikanischen Journal for Theology and the Church veranstaltetes Kolloquium über „Schleiermacher as Contemporary“ einen Vortrag mit dem Titel Schleiermacher’s Doctrine of the Divine Attributes beizusteuern.459 Diese Tagung bildete den Startpunkt einer mehrwöchigen USA-Reise, bei der Ebeling die Gelegenheit nutzte, seine Schleiermacherstudie ebenfalls vor den theologischen Fakultäten in Berkeley, Dallas und Ontario zu präsentieren.460

Die Studie zu Schleiermachers Lehre von den göttlichen Eigenschaften bildete den Auftakt seiner Publikationstätigkeit zur Theologie Schleiermachers. In ihr entfaltet Ebeling die Argumente für seine These, dass eine grundlegende Entscheidung für Schleiermachers dogmatische Theoriebildung darin besteht, alle Aussagen über Gott ausgehend von ihrem Ursprung der sprachlich vermittelten Selbstexplikation christlicher Frömmigkeit zu entfalten und nicht aus dem spekulativen Vernunftgebrauch abzuleiten.461 Hierin ist der primäre Ertrag der Studie zu sehen, mit dem Ebeling einen für die weitere theologische Schleiermacher-Forschung anregenden Entwurf vorgelegt hat.462

Ebeling setzt sich das Ziel einer textimmanenten Interpretation der Glaubenslehre, die „den inneren Zusammenhang“ von Schleiermachers Lehre von den g...

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