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STEFAN ZWEIG UND ELLEN KEY. EINE BIOGRAFISCHE MINIATUR

Briefwechsel zwischen einem jungen österreichischen Dichter und einer schwedischen Philosophin und Gesellschaftsreformerin

Margrit Hansen

Im Jahre 1904 schreibt der junge Stefan Zweig zum ersten Mal an die von ihm verehrte Schwedin Ellen Key. Sie ist über 50, Zweig ist 23 Jahre alt. Es entwickelt sich ein fast 20 Jahre dauernder, vertrauensvoller Briefwechsel.

In diesen Briefen spiegelt sich zunächst die Entwicklung des jungen Dichters wider, später vor allem ungläubiges Entsetzen, als die kulturell verbundenen Menschen und Nationen Europas mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu Feinden werden.

Ab 1915 wird in der Korrespondenz zwischen Zweig und Key deutlich, dass Resignation an Raum gewinnt. Der Krieg als humanitäre Katastrophe und Verbrechen gegen die Menschlichkeit lässt den Glauben an die Kraft von Literatur und Kunst schwinden.

Beide kämpfen aber weiter mit der Schreibfeder für den Frieden und warnen in Wort und Schrift vor Radikalisierung. Sie hoffen weiter, dass ein menschliches Gewissen mittels Sprache nachhaltig angerührt werden kann.

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Vorwort

VORWORT

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Stefan Zweig und Ellen Key sind sich nur einmal in ihrem Leben in Italien begegnet, im Herbst 1907, haben aber über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren miteinander Briefe1 gewechselt. Über diese Begegnung in Italien schreibt Stefan Zweig in seinem Lebensrückblick Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers:

„So kam eines Tages Ellen Key zu mir, diese wundervolle schwedische Frau, die mit einer Kühnheit ohnegleichen in jenen noch borniert widerstrebenden Zeiten für die Emanzipation der Frauen gekämpft und in ihrem Buch ‚Das Jahrhundert des Kindes‘2 lange vor Freud die seelische Verwundbarkeit der Jugend warnend gezeigt.“ Und er fügt hinzu: „…durch sie wurde ich in Italien bei Giovanni Cena3 eingeführt und gewann in dem Norweger Johan Bojer4 einen bedeutenden Freund.“

Und an anderer Stelle dieses Buches erwähnt er Key zusammen mit Walter Rathenau, Emile Verhaeren und Léon Bazalgette als eine von seinen vier wichtigsten Freunden.5

Der Briefwechsel zwischen Zweig und Key beginnt 1904. Zweig lebt in Wien und hat bereits den Gedichtband Silberne Saiten zwei Jahre zuvor veröffentlicht. Die Liebe der Erika Ewald (vier Novellen) erscheint 19046 in Berlin.

Ein Exemplar geht mit seinem ersten Brief an Key, vielleicht in der Hoffnung, dass sie ihn in der literarischen Welt Skandinaviens genauso bekannt machen ←7 | 8→wird wie zuvor Rainer Maria Rilke7. Die hier veröffentlichte Korrespondenz von 1904–1921 zwischen Stefan Zweig und Ellen Key stellt die beiden in den historischen Zusammenhang...

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