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‚Gotische‘ Architektur in der russischen Literatur

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Edited By Tatjana Kantsavenka

Die vorliegende Untersuchung basiert auf der Relation zwischen Architektur und Literatur. Im Mittelpunkt der Betrachtung befindet sich das Syntagma ‚gotische Architektur‘ und deren Rezeption in der russischen Literatur. Der begriffsgeschichtlichen Herangehensweise annähernd stütz sich der Diskurs auf einen Textkorpus, dessen Bestandteile zwischen 1700 und dem Anfang des 20. Jh. entstanden. Die literarischen Werke wurden nach dem semantischen Wandel und der Funktion der ‚gotischen‘ Bauten befragt. Mithilfe kunsthistorischer Aspekte und eines vielschichtigen Ideen- bzw. Metaphergehalts zeigte sich, dass Begriffe komplexe Inhalte und weitreichende Interpretation in sich tragen können.

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3 Westeuropäische Literaturquellen mit den Motiven ‚gotischer‘ Architektur in Russland im ausgehenden 17. und 18. Jahrhundert

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Bevor die Arbeit mit russischen Texten begonnen werden kann, soll kurz begründet werden, weshalb bei der Auswahl der Beispiele weitgehend von Übersetzungen (anders als bei Chačaturov166) abgesehen wurde. Selbstverständlich liegt es nahe, diese Textsorte an den Anfang des zu untersuchenden Textkorpus zu setzen, da es mit der Regierung Peters I. eine schnelle Entwicklung im Bereich der Übersetzungen gab.167 Dadurch war auf jeden Fall ein intensiver interkultureller Input in der literarischen Entwicklung des 18. Jahrhunderts in Russland vorhanden. Denn in den Fokus rückt damit ein Zeitraum russischer Literatur, welcher nach Oleg Buranok als der ‚unliterarischste‘ Abschnitt (das Ende des 17. und erste Drittel des 18. Jahrhunderts) der russischen Geschichte bezeichnet wird.168 Und trotzdem lieferte dieser zeitliche Abschnitt und die Übersetzungstätigkeiten wichtige Impulse für den Import ‚gotischer‘ Architektur nach Russland, immerhin war es einer der ersten Wege zum Kennenlernen des westeuropäischen Gedankengutes. Dennoch erfüllt eine Einbeziehung der übersetzten Texte nicht die Kriterien der vorliegenden Arbeit. Eine Übersetzung stellt keine vollständige selbstständige Reflexion des Übersetzers bzw. Autors dar.

Die übersetzten Werke westeuropäischer Autoren waren mit ihrem Inhalt und ihren Sinnbildern wichtige Träger bzw. Vermittler der ‚gotischen‘ Architektur.169 Neben den Motiven und Themen des Mittelalters transportieren sie auch den ersten Sinngehalt des Terminus ‚gotisch‘ selbst. Im Folgenden sollen die wichtigsten Werkbeispiele kurz vorgestellt werden.

Die Zeit des Mittelalters, welches des Öfteren ihren symbolischen Ausdruck in Form der ‚gotischen‘ Architektur fand, diente in vielen Werken als eine...

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