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‚Gotische‘ Architektur in der russischen Literatur

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Edited By Tatjana Kantsavenka

Die vorliegende Untersuchung basiert auf der Relation zwischen Architektur und Literatur. Im Mittelpunkt der Betrachtung befindet sich das Syntagma ‚gotische Architektur‘ und deren Rezeption in der russischen Literatur. Der begriffsgeschichtlichen Herangehensweise annähernd stütz sich der Diskurs auf einen Textkorpus, dessen Bestandteile zwischen 1700 und dem Anfang des 20. Jh. entstanden. Die literarischen Werke wurden nach dem semantischen Wandel und der Funktion der ‚gotischen‘ Bauten befragt. Mithilfe kunsthistorischer Aspekte und eines vielschichtigen Ideen- bzw. Metaphergehalts zeigte sich, dass Begriffe komplexe Inhalte und weitreichende Interpretation in sich tragen können.

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7 Beispiele aus der russischen Lyrik

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Auch in der russischen Dichtung schlug sich die ‚gotische‘ Architektur nieder. Die lyrische Verarbeitung der mittelalterlichen Motive war Anfang des 19. Jahrhunderts keine Seltenheit und fand eine vielseitige Anwendung, man denke dabei beispielsweise an die Dramen von Aleksandr S. Puškin wie Skupoj rycar’ (1830) oder Sceny iz rycarskich vremen (1835).749 Puškin endschied sich für die Handlungsgrundlage in Skupoj rycar’ für die Relation zwischen Macht und Geld, die er an einem geizigen Vater (der alte Ritter) und dessen verschwenderischem Sohn konstruierte.750 Die kulissenhafte Erwähnung der Architekturen und der Handlungszeit im Werk lassen darauf schließen, dass es sich dabei um eine mittelalterliche Burgarchitektur oder sogar eine ‚gotisch‘-inspirierte Baustruktur handeln kann. Puškin griff aber kein einziges Mal auf den Begriff ‚gotisch‘ zurück und beließ seine Baubeschreibung schemenhaft. Es gab jedoch auch einige Zeitgenossen Puškins, die dies anders umsetzten.

a. Stepan P. Ševyrev, Platon A. Kuskov und Konstantin K. Slučevskij

Das Salonleben in Russland florierte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts,751 als ein direkter und intensiver Dialog der Literaten stattfand. Auf dieser gesellschaftlichen Grundlage entstand Ende Februar 1829 das Gedicht Partizanke klassicizma752 von Stepan P. Ševyrev (1806–1864). Es gilt als eine poetische Reaktion auf die Gräfin Aleksandra G. Laval’ (1772–1850).753 Sie war eine Verfechterin des Klassizismus, was sich schon unter anderem in der Architektur ihres ←163 | 164→Hauses manifestierte.754 Ševyrev konnte offensichtlich mit seiner romantischen Ausrichtung755 der Gräfin...

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