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Genuss und Arbeit im Angestelltenroman

Von Irmgard Keun bis Elfriede Jelinek

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Lucas Alt

Ist ‚gutes Leben‘ im Kapitalismus möglich? Diese Frage verhandeln Angestelltenromane seit ihrer Entstehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die vorliegende Studie analysiert das Spektrum zwischen Müssen und Muße, Lust und Frust, Arbeit und freier Zeit vor dem Hintergrund einer allgegenwärtigen Verwertungsmoral. Die interdisziplinäre Darstellung verbindet dabei Ergebnisse der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und ermöglicht einen Einblick in die paradoxen Psychodynamiken moderner Arbeitsverhältnisse.

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1. Einführung

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Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion.1

Lange Zeit erscheinen Arbeit und Lust als Gegensätze am Horizont des abendländischen Denkens. Während Arbeit im Umfeld von Abhängigkeit, Notwendigkeit und Unterdrückung angesiedelt ist, wird Lust dem Bereich der freien, zwanglosen Muße zugeschlagen.2 Auch das Normalarbeitsverhältnis, wie es sich spätestens ab Mitte des 20. Jahrhunderts herausbildet, trägt dieser Grenzziehung in seinen Kategorien von Arbeits- und Freizeit Rechnung. Anfang der 1990er Jahre jedoch wird die Arbeitssoziologie auf einen flächendeckenden gesellschaftlichen Wandel in der Prioritätensetzung bei der Wahl von Arbeitsplatz und Tätigkeit aufmerksam: Immer größere Teile der arbeitenden Bevölkerung treffen ihre arbeits- und karrierebezogenen Entscheidungen nicht mehr allein nach den Maßgaben der ←13 | 14→Existenzsicherung, sondern zunehmend auf der Grundlage individualistischer Luststrategien:

Man will innerlich an der Arbeit beteiligt sein, sich als Person in sie einbringen können und über sie eine Bestätigung eigener Kompetenzen erfahren. Man will sich in der Arbeit nicht wie ein Jedermann, sondern als Subjekt mit besonderen Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen verhalten können und die Tätigkeit in der Dimension persönlicher Entfaltung und Selbstverwirklichung interpretieren können.3

Ob diese „zunehmende normative Subjektivierung der Arbeit“4 ein Grund oder vielmehr das...

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